Norman und Christina sind ein Künstlerpaar, sie Feuertänzerin, er Magier, ihre Liebe ist kostbar und bislang kinderlos. Joe ist ein junger Trickkünstler, der seinen Vater nicht kennt und dessen Mutter sich schliesslich für ihren Lover und gegen ihren Sohn entschieden hat. Joe erhält die Chance seines Lebens, er wird dem bekannten und geachteten grossen Magier Norman empfohlen, um bei ihm zu lernen und tatsächlich ist dieser von Joes Können beeindruckt und Joes Wurzellosigkeit rührt Normens väterliche Gefühle an. Christina reagiert auch voller Freude auf Joe und bald leben sie wie eine richtige Familie. Norman bildet Joe aus und staunt über dessen Talent, seine Gefühle sind meistens Stolz und Freude, selten Unbehagen. Als Jüngling bringt Joe lange Zeit seiner Wahlmutter Christina Blumensträusse, aber leider nicht aus Mutterliebe, sondern wegen seines erwachten Begehrens Christina gegenüber, er interessiert sich nie für Mädchen, er arbeitet nur auf ein Ziel hin, Christinas Herz zu erobern, sie soll seine Frau sein, er will Norman ausschalten. Tatsächlich bekommt er Christinas Körper, die Umstände die dazu führten sind tragisch, sind Joes Geschäft, beruhen auf Betrug. Aber so wie es sich Joe erträumt, so kommt die Geschichte nicht in Gang, Christina und Normans Liebe ist etwas Einzigartiges, genauso wie ihre Liebe zu ihm, zu Joe, welchen sie wirklich wie einen richtigen Sohn aufrichtig lieben, Norman erkennt das verwerfliche Wesen in Joe, seine Absicht, die keine gute ist, aber er hat ein Vaterherz und findet immer edle Erklärungen für das Verhalten seines Sohnes. Joe geht seinen eigenen Weg, verlässt abrupt sein erobertes Heim. Die berufliche Laufbahn, welche Joe einschlägt, macht Christina und Normen Sorgen, viel Geld und der völlige Kontaktabbruch von Joe machen ihnen die Herzen schwer. Es kommt, wie es Norman befürchtet, hat Joe stolpert und Normen leidet, aber das Leiden eines richtigen Vaters, das ist unermesslich, unermesslicher noch als der Hass des Sohnes.
Fazit: Magische Finger zum Glück?
Welch eigenartige Geschichte, Nothomb bringt völlig Fremdes näher und zeigt darin das ganz alt Vertraute um so beeindruckender auf. Diese kurze Geschichte vermag einen Nachhall zu hinterlassen, selbst wenn sie etwas konstruiert erscheint. Ein gekonntes Konstrukt!
Meine Wertung: 6/10
Amélie Nothomb / Den Vater töten
Verlag: Diogenes, Seiten: 121
Weitere Buchbesprechungen die Dich interessieren könnten:
Amélie Nothomb / Böses Mädchen
Blanche ist eine Einzelgängerin, ihre Eltern beide Lehrer, sie wünscht sich nichts mehr, als irgendwo dazuzugehören. Dass dann ausgerechnet Christa, das Bezauberndste und beliebteste Mädchen der Schule sie anspricht scheint ein Wunder zu sein. Plötzlich ist Christa bei Blanches Eltern die beliebteste Person, im Zimmer belegt sie mehr Platz als...
Amélie Nothomb / Der japanische Verlobte
Dass sich so schnell jemand auf ihre Anzeige hin meldet, das dachte Amélie nicht, aber sie hatte nun tatsächlich innert Kürze in Tokio einen Schüler gefunden, welcher bei ihr Nachhilfe in Französischer Sprache nehmen würde. Rinri heisst der Schüler, ist fast gleich alt wie seine Lehrerin und wird für diese...
Amélie Nothomb / Reality-Show
Was gibt es verächtlicheres, als die Menschen? Ein TV-Sender startet eine neue Reality-Show, die Zuschauer sehen ein Konzentrationslager, zwei Seiten, Wärter und Gefangene. Wer nun erwartet, eine Welle des Protestes reisse das Format sofort nieder, oder es werde gar sofort verboten, der liegt falsch, gänzlich. Noch nie erziehlte irgend etwas...
Susanne Fröhlich / Lackschaden
Andrea Schnidt fragt sich manchmal wirklich, ob dass nun ihr Leben sein soll, Tochter und Sohn im unangenehmen Teenagerstatus, der Mann lieber auf dem Golfplatz, (welch dämliche Sportart!) und dazu noch Rudi der Schwiegervater, welcher ohne seine geliebte Ingrid jeden Tag verkündet, dass er demnächst stirbt. Andreas Leben ist kein...
Benjamin Lebert / Im Winter dein Herz
Eigentlich dachte er, er würde ewig einfach so dahinleben in Hamburg, doch dann kam er in diese Klinik in Waldesruh. Robert hat keine Lust zu essen, und komischerweise plötzlich auch keine Lust mehr aus Waldesruh. Bei seinen Spaziergängen zur Tankstelle hat er dort Annina kennengelernt, sie ist richtig nett, anders...
Banana Yoshimoto / Ihre Nacht
Yumiko und ihr Cousin Shoichi spielten als Kinder oft zusammen, waren unzertrennlich und erlebten Stunden puren Glückes. Die Mütter sind Zwillingsschwestern, äusserlich verblüffend ähnlich aber von der Art her aber völlig unterschiedlich. Während Shoichis Mutter die Familie als das Wichtigste in ihrem Leben betrachtet, ist Yumikos Mutter der Verlockung des...
Tagged as:
Burning Man,
Familie,
Geld,
Künstler,
Las Vegas,
Liebe,
LSD,
Magier,
Mutter,
Nevada,
Roman,
Sohn,
Trickkünstler,
Vater
{ 0 comments… add one now }