Peter Debauer erinnert sich gerne an seine Kindheit, zumindest dann, wenn er an die Reisen von Deutschland in die Schweiz zu den Grosseltern denkt. Dort hatte er eine Familie, der See und die Umgebung kamen ihm immer wie eine Art Paradies vor. Peter kennt leider seinen Vater nicht, seine Mutter tischt ihm immer nur häppchenweise Halbwahrheiten vor, dadurch wird seine Sehnsucht nach der Vatersuche bloss noch angefeuert. Der junge Mann sucht nämlich so einiges in seinem Leben, Antworten, auf viele Fragen, diese innere Unruhe lässt ihn die Frau verlieren, welche er so liebt, Barbara. Kennen gelernt hatte er sie, als ihm ein Roman in den Sinn kam, welchen er bei den Grosseltern heimlich gelesen hatte als Kind. Die Grosseltern führten nämlich einen Verlag, dieser gab so eine Art einfacher, erbaulicher Romane heraus, darunter viele Heimkehrergeschichten von Soldaten. Eine Geschichte war Paul nicht aus dem Sinn gegangen, die Suche nach deren Ende sowie Autor, wird zu einer Suche nach seinem Vater. Mitten in dieser Suche erhält er wie durch ein Wunder seine Liebe zurück, er und Barbara ziehen sogar zusammen und schmieden Heiratspläne. Doch da reist er in die Staaten, die Konfrontation mit seinem Vater soll Ruhe in sein Herz bringen. Doch Barbaras Leben war von quälendem Warten bereits leidgeprüft, schafft sie es auf Peter zu warten ? Dieser lässt sich Zeit, denn diese Vaterfigur ist komplex und vielschichtig, sonderbar wandelbar, aber nie so, wie er einen Vater akzeptieren kann. Er gibt sich dann auch nicht zu erkennen, beobachtet diesen Mann, dessen Vergangenheit in die Nazizeit reicht und der auch heute einerseits bestechend logische, aber doch moralisch zweifelhafte Theorien an seine Studenten weitergibt. Faszinierend ist er ja gewiss, aber Peter ist anders, er erkennt, das er heimkehren kann, dass seine Suche ein Ende hat. Seine brennendste Lebensfrage ist beantwortet und er will nur noch zurück zu Barbara und diesem Glück der Liebe.
Fazit
Eine eindrückliche Suche nach der Herkunft, den Wurzeln eines Mannes und ein erdrückendes Porträt eines Vaters, welches immer deutlicher wird. Für den jungen Mann wird diese Suche zur eigenen Odyssee und weist mit dieser viele Parallelen auf. Wunderbar geschrieben mit vielen Denkanstössen zu unserer Moral und Ethik!
Meine Wertung: 7/10
Bernhard Schlink / Die Heimkehr
Verlag: Diogenes, Seiten: 375
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