Im Venedig zu Beginn des 16. Jahrhunderts bringt das Schicksal vier blutjunge Menschen und ein Baby zueinander. Laura muss mit ihrem kleinen Bruder fliehen, ihre heile glückliche Welt als Tochter liebender Eltern, der Vater ein begnadeter Maler, ist jäh mit dem frühen Tod der Eltern zerbrochen. Die Flucht ist eine Flucht auf Leben und Tod, Laura hört mit an, was ihr neuer “Vater” für düstere Machenschaften treibt. Giacomo Cattaneo, ein mächtiger reicher Patrizier, verfolgt Laura und ihren Bruder Mattteo nun lebenslang, und er ist wahrhaft der Teufel in Menschengestalt. Die Geschwister leben nun eben mit anderen Opfern der Strasse in einer kleinen heruntergekommenen Behausung. Da ist noch Antonio, der furchtlose und ehrgeizige, mit flinkem Stehlen sorgt er für sein Leben, dann Valeria, die berauschend Schöne, sie hat sich für Kinderprostitution entschieden und empfängt oft Männer. Der vierte im Bunde Carlo, der schwarze Sklave der entfliehen konnte, seinen Namen gab ihm Valeria, sie taufte ihn sogleich. Laura wird in der Not die viel geschicktere Diebin als Antonio, aber sie will nicht so leben, das wollen sie eigentlich ja alle nicht. Die Dinge nehmen ihren Lauf, die vier Personen werden auseinander geschleudert, doch niemals bricht der Faden zwischen ihnen ganz ab. Cattaneo hat inzwischen Valeria und Carlo in seiner Gewalt. Antonio wird ein geschickter unerschrockener Geschäftsmann, er findet zu Laura, seiner grossen Liebe. Laura hat ihren Weg auch gemeistert, sie wurde Apothekerin, und fand bei ihrer Ausbildnerin, der alten Crestina und deren Tochter Mansuetta für sich und den kleinen Wunderknaben Matteo ein neues zu Hause. Aber Lauras dunkle Vorahnungen treffen immer zu, es gibt noch einige dunkle Zeiten durchzustehen und manchen Verlust hinzunehmen, werden sie je alle vier frei sein, glücklich leben können, die verbrüderten Kinder von damals?
Fazit
Endlich wieder einmal so ein richtig guter, herrlicher historischer Roman, von fast tausend Seiten! Das faszinierende Venedig in einer schwierigen Zeit der Kriege und der Pest, um nur etwas zu nennen, bietet eine grandiose Kulisse für das schicksalhafte Leben der Figuren. Das Böse und das Gute müssen miteinander ringen, eine ganz besondere Liebesgeschichte wärmt uns das Herz und wir fiebern bange und atemlos mit den Figuren und staunen erfreut, was die Macht der Freundschaft am Ende zu richten vermag. So manches Geheimnis sorgt für überraschende Wendungen, was will man mehr? Lesen und wohl nicht mehr so schnell vergessen… PS: Einige bekannte, Figuren geben dem Roman ihre wertvolle Färbung, wie etwa die Maler Tizian und Giorgione oder Heinrich VII, König von England.
Meine Wertung: 8/10
Charlotte Thomas / Die Lagune des Löwen
Verlag: Ehrenwirth, Seiten: 957
Weitere Buchbesprechungen die Dich interessieren könnten:
Charlotte Freise / Die Seelenfotografin
Ruven, ein junger Fotograf in Berlin hat nur eine Sehnsucht, weg von dem Job den er bei Bing, einem schmierigen Kerl, erledigt. Die «Verderbten Bilder» verkaufen sich gut, doch Ruven kann kaum fassen, was den Frauen angetan wird. Als sich ihm eine einmalige Gelegenheit bietet, wird er zum Verbrecher, er...
Martin Bettinger / Die Liebhaber meiner Frau
Laura wohnt mit ihrem Jungen und einem Mitbewohner namens Blum zusammen, sie ist geschieden und eigentlich im besten Alter. Auf jeden Fall kein Alter um Abend für Abend zu Hause vor einer Tasse Tee zu sitzen, doch genau das tut Laura. Blum beobachtet Lauras Darben mit bangem Herzen, sie kennen...
Thomas Hürlimann / Vierzig Rosen
Marie Katz, ist die jüdische Tochter eines grossen Mannes, der mit seinen Schneidereien, einen derart guten Ruf geniesst, dass Jedermann, der etwas auf sich hält “Katz” trägt. So ist die kultivierte Marie immer à jour und schliesslich weiss man ja, was Sache ist, on a du style. Als der Herr...
Thomas Hürlimann / Fräulein Stark
St. Gallen, der Neffe des Stiftsbibliothekars entgeht der Klosterschule nur knapp und soll sich nun beim Onkel nützlich machen. Das Filzpantoffeln überstreifen, damit jeder Besucher über den Intarsienboden der Bibliothek schlurfen kann, wird für den Jüngling bald zu Wahn. Diese Frauenbeine, diese Gerüche, Formen…Aber Fräulein Stark, Bedienstete und das Gewissen im Hause,...
Tim Krabbé / Kathys Tochter
Tom erhält eine eigenartige E-Mail, von der Tochter einer Frau, welche er in Jugendjahren geliebt haben soll. Der Groschen fällt, Kathys Tochter, er hatte eine kurze, doch wohl die innigste Liebesbeziehung seines Lebens zu dieser Frau! Tia und nun beginnt er ihrer Tochter zu Mailen, diese Laura lässt sein Herz von...
Charlotte Weitze / Vom Glück, ein Briefträger zu sein
Kaspar arbeitet nachts, er sortiert Post, aber eigentlich träumt Kaspar davon, Briefträger zu sein und ein normales Leben führen zu können. Kaspars Haut ist ganz weiss, er verträgt keine Sonne, denn er ist ein Albino. Nun hat Kaspar einfach noch seine Mutter, diese Bindung ist sehr eng, aber eigentlich auch...
Jan Costin Wagner / Im Winter der Löwen
Es ist ein ungewöhnlicherer Leichenfund als sonst, denn Kommissar Kimmo Joentaa, glaubte erst, er hätte etwas falsch verstanden, doch nun steht er tatsächlich vor dem toten Pathologen. Makabererweise liegt der Mann tot im Schnee, der sonst die Leichen zu Joentaas Fällen untersucht hat und er bekommt kurz darauf Gesellschaft ähnlicher...
Thomas Lang / Am Seil
Ein Sohn ist auf einem Weg, er hat für sich beschlossen, dass es der letzte sein sein soll. Auf einem gestohlenen Motorrad, fährt er ins Pflegeheim, er will seinen Vater noch einmal sehen, jahrelang sa er ihn nicht. Er hat auch Angst vor der Begegnung, immer lag er in Streitereien...
Thomas Röthlisberger / Zuckerglück
Rose und Johann, seine Eltern, es sind normale Eltern, das redet er sich immer wieder ein, sie schlagen ihn nicht und er weiss; viele Kinder in seinem Alter, besonders Buben, werden geschlagen. Aber verbale Schläge tun ihm auch weh und er ist doch schon genug gestraft, er mit seinem schmächtigen...
Tagged as:
Handel,
Liebe,
Pest,
Religion,
Roman,
Sklaverei,
Venedig
{ 0 comments… add one now }