David Bielmann / Freedom Bar

by Manuela Hofstätter on 3. März 2016

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In der schönen Kleinstadt Freiburg trifft der junge Bert Bucher ein. Der Tod seiner Grossmutter beschert ihm ein Auszeitjahr in deren Wohnung in der Lausannegasse 43. Endlich wegkommen aus dem biederen Einflusskreis seiner Familie, endlich durchstarten als künftiger Rockmusiker, Bert ist sich völlig sicher, die Welt warte nur auf ihn. Im selben Haus agiert in seiner Kanzlei der renommierte Scheidungsanwalt Gregor Marer, dessen Leben mit liebenswerter Frau sowie Sohn, absolut erfolgreich verläuft. Im Erdgeschoss trifft man auf die Buchhandlung „Wissensarchiv“ und deren eher unscheinbaren Besitzer Johann B. Grab. Johanns Geschäftsidee wurde leider von der Omnipräsenz des allwissenden Internets überholt. Doch der Buchhändler glaubt nach wie vor leidenschaftlich an die Kraft des Buches und der Literatur und bietet seit geraumer Zeit auch diverse Schreibdienste an. Eine junge Studentin namens Lana hat sich nicht davon abhalten lassen, bei ihm ihr Praktikum zu absolvieren. Die junge, intelligente Frau, wie auch seine eigene griechische Ehefrau beleben Johanns in sich gekehrtes Leben wie Wesen auf erfreuliche Art und Weise. Einzig ein Problem lastet auf Johanns Schultern, seine Frau will ein Kind haben, welches er nicht zeugen kann. Im Keller des Hauses führt Henry Schweizer den sicherlich bestfrequentierten Ort im Haus, seine „Freedom Bar“. In Henrys Bar treffen sich die unterschiedlichsten Menschen, öfters diejenigen, die ihre Sorgen vergessen wollen und tatsächlich ist die Freiheit, die Henry seinen Gästen vermittelt, ganz besonders. Henry seinerseits lebt auch in seiner Bar und träumt seiner nicht gelebten Vergangenheit nach, in der Gegenwart aber greift Henry beherzt in die Schicksale seiner Gäste ein, denn keiner weiss so gut wie Henry, was es heisst, einen wichtigen Moment zu verpassen. Auch Bert landet in der Bar, beim ersten Mal genehmigt er sich mit seinem ganzen Tagesverdienst ein Bier, jeder Schluck steht für einen Song, den er als Strassenmusiker in der Kälte gespielt hat. Freiburg hat den aufstrebenden Star noch nicht entdeckt, doch Bert ist weiterhin guter Dinge. Am nächsten Tag spielt er ein Gratiskonzert und verliert die richtigen Töne, als sein Blick den ihren findet… Rote Locken, und einen Blick, den er nie mehr vergessen wird. Sie schreitet auf ihn zu und legt ihm ein Fünffrankenstück hin und weg ist sie, sein erster, richtiger Fan, Berts Herz ist in Liebe entflammt. Das Wunder passiert, Bert findet die Frau mit den roten Locken wieder, ein YouTube-Filmchen hat seinen Auftritt und die Begegnung mit ihr für die Ewigkeit festgehalten, einziger Makel, die Kommentare betreffend Berts Talent sind mehr als vernichtend. Doch Berts Leben nimmt eine noch viel sensationellere Wendung, denn die Frau mit den roten Locken, Lana, steht plötzlich erneut vor ihm. Aber das Schicksal hält dann im Haus an der Lausannegasse 43 Einzug und involviert das Leben aller, die darin wohnen oder ein- und ausgehen. Könnte das Haus reden, es würde den Stoff für einen absoluten Bestseller liefern, oder den Text für einen weltberühmten Song.

David Bielmann / Freedom Bar


Fazit: Freedom Bar, ein Buch aus dem puren Leben, mitten in unsere Herzen hinein geschrieben!

Ein Haus, eine Bar, Treffpunkt und Sehnsuchtsort unterschiedlichster Menschen und Schicksale. Was keiner ahnt, ist die Tatsache, wie verschlungen doch ihrer aller Schicksal tatsächlich ist und was das Leben ihnen allen beschert. Bielmanns Protagonisten sind mal schräg, mal eigenartig in ihrem Wesen, aber sie sind immer unmittelbar wahrhaftig und vermögen uns tief zu berühren. Dieser Roman ist einfach alles, Liebesgeschichte, Entwicklungsroman, ein Schuss Krimi und Drama sowie eine ungeheuer gute Geschichte meisterhaft erzählt! Ein Roman, der Kultstatus erreichen muss. David Bielmann ist mein persönlicher Geheimtipp, dieser Roman ist einer meiner ganz grossen Favoriten seit langem, dieses Buch hat alles, was man beim Lesen braucht, dieser Roman ist Leben pur! Ich bin hingerissen, völlig, ganz und gar… besser als Gavaldas „Gemeinsam ist man weniger allein“, J. R. Moehringers „Tender Bar“, Nick Hornby und ähnliche. Unzensurierter O-Ton: „Geil, einfach geil! Kult, wirklich Kult!“.

Meine Wertung: 9/10

David Bielmann / Freedom Bar
Verlag: Riverfield, Seiten: 303

Manuela Hofstätter

Manuela Hofstätter

Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
Manuela Hofstätter
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