Dominique Paravel / Die Schönheit des Kreisverkehrs

by Manuela Hofstätter on 1. März 2017

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Der Arc de Triomphe ist die weltweit erste Dekoration eines Kreisverkehrs, zu verdanken haben wir letzteren dem Pariser Städteplaner Eugène Hénard, der 1906 die Idee hatte, die Place de l’Étoile in einen Kreisverkehrsplatz umzuwandeln. Joaquin Reyes ist in der Firma Spezialist für die Gestaltung in der Mitte der Kreisel, nun soll er in die französische Provinz reisen, um bei der Stadtratssitzung der Kundschaft seine Lösung für den dort geplanten Kreis zu präsentieren. Joaquin ist ein Künstler, ein Meister seines Fachs, aber er ist auch ein ängstlicher Mensch. Ausgerechnet bei diesem wichtigen Termin stellt man ihm eine Beraterin aus der Hauptfiliale in Paris zur Seite und Joaquin befürchtet schon lange, dass es um das Bestehen der Firma nicht gerade gutstehen könnte, gewiss will man ihn testen. Die Beraterin kommt mit Verspätung an und sie wählt statt der Autobahn die Landstrassen, was Joaquin auf dem Autositz neben ihr, dieser Vivienne, völlig verzweifeln lässt. Dieser Frau scheint rein nichts daran zu liegen, pünktlich an dieser so wichtigen Sitzung zu erscheinen, sie raucht bloss ständig und wirkt nahezu wirr. Joaquin hingegen kämpft noch mit seiner grössten Sorge, er ist Diabetiker und hat dies gegenüber seinem Arbeitgeber verheimlicht, er muss ständig darauf achten, genug und richtig zu essen und heimlich seinen Blutzuckerspiegel zu testen und gegebenenfalls Insulin zu spritzen. Auf dieser kuriosen Reise mit dieser seltsamen Beraterin wird dies kein leichtes Vorhaben.
Was für ein komischer Mann, er scheint etwas zu verbergen, da ist sich Vivienne recht sicher, aber da hätten sie ja eine Gemeinsamkeit. Er scheint völlig unbeteiligt zu erdulden, dass sie alles gefährdet, was sein Leben ausmacht. Sie hat dafür gesorgt, dass er bei der Bürgermeisterin anrufen musste, um ihre Verspätung zu verkünden, er erduldet ihre Gewohnheit, in jedem Kreis drei Runden zu drehen. Er ist so komisch, dass er interessant wird für Vivienne, sie langweilt sich schliesslich schon so lange und sie leidet am Verlust der Liebe in ihrem Leben, der Sinnlosigkeit ihres Daseins.

Fazit: Zwei Menschen und ihr Ausbrechen
Eine ganz eigene Stimmung entwickelt dieser Roman, der zweimal jeweils aus der Perspektive seiner beiden Hauptprotagonisten erzählt wird. Plötzlich eröffnet sich beim Lesen ein Gesamtbild, das uns weg von der Strasse und dem eigensinnigen Road Trip der zwei Menschen in einen Garten führt, den man nicht mehr vergisst. Einen, den man sofort riechen kann, wenn man die Augen schliesst. Ein sehr poetischer, literarischer Roman, der sich vermutlich nicht allen Lesern gleichermassen öffnen wird. Etwas Besonderes.

Meine Wertung: 6/10

Dominique Paravel / Die Schönheit des Kreisverkehrs
Verlag: Nagel & Kimche, Seiten: 176

Manuela Hofstätter

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Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
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