Leningrad in den sechziger Jahren. Als Antonina schwanger wird, darf sie in eine Gemeinschaftswohnung ziehen, ihre drei Mitbewohnerinnen sind drei alte Frauen, jede der Frauen hat ihre Geschichte aus dem harten Sowjetalltag. Aber Susannas Geburt ist der Beginn der Liebe ihrer drei Babuschki, währen Antonina in der Fabrik arbeitet, kümmern sich die Alten liebevoll um die Kleine uns sie wächst heran und lernt so manches. Aber bloss das Sprechen, das lernt Susanna nicht, und immer näher kommt sie ran ans Kindergartenalter, Antonina wurde vom Frauenrat schon in die Mangel genommen, weil sie das Kind nicht in die Krippe gibt, der Kindergarten aber , der ist dann richtig unausweichlich. Unausweichlich ist auch die Tatsache, dass ein stummes Kind von Arzt zu Arzt geschleppt wird und schliesslich in ein Heim gesteckt wird, dieses Schicksal will die Mutter Ihrer Tochter ersparen und auch die drei Babuschki wollen Susanna unbedingt beschützen. Es ist nicht einfach als Mutter ohne Mann und Vater, oft denkt sie noch an ihre Liebe, aber es hilft nichts, es gilt eine Lösung zu finden, es gilt zu überleben. Ja, es gibt da einen Mann, man munkelt, er könnte Interesse an Antonina haben. Sie weiss zuerst nicht damit umzugehen, aber als sie unbedingt einen Fernseher haben will, damit die Kleine etwas dazulernt, vielleicht sogar das Sprechen, da kommt sie wegen einer List um die Warteliste für diese Geräte auf ihn zu. Er ist ganz nett, aber es ist ein Drahtseilakt ihn einmal ein zu bewirten, die alten Weiber sind nicht nur einfache Gemüter, sie wachen mit Argusaugen über diesen Besuch, warnen Antonina erneut einen Fehler zu begehen. Aber die Babuschki werden vom Schicksal übertölpelt und sie müssen in einer schlimmen Notlage handeln, beherzt und mit Mut, es gilt zu kämpfen für die kleine Susanna, diese soll ein besseres Leben haben, als so manche Figuren in den oft auch schauerlichen Märchen, welche ihre Babuschki ihr erzählen.
Fazit
Eine berührende Geschichte, die zugleich ein Zeitdokument der Sowjetunion darstellt. Eine Geschichte, die trotz schwieriger und oft unmenschlicher Zustände aufzeigt, dass die Kraft des Willens zu Verantwortung und Mitgefühl immer gewinnen und die Kraft der Frauen immer viel bewegen kann.
Meine Wertung: 7/10
Elena Chizhova / Die stille Macht der Frauen
Verlag: DTV, Seiten: 271
Weitere Buchbesprechungen die Dich interessieren könnten:
Paula Wall / Die Frauen der Familie Belle
Leaper’s Fork ist der Ort, an dem seit Jahrhunderten die aussergewöhnliche Familie Belle lebt, die Frauen dieser Familie sind unbeschreiblich, es geht von ihnen ein Zauber aus, welchem sich noch nie ein Mann entziehen konnte. Sie sind wunderschön, die Bellefrauen, aber sie sind auch geniale Geschäftsrauen oder Menschenkennerinnen, man sagt,...
Valerie Wilson Wesley / Vier Frauen
Randall Hollis ist der Frauenheld schlechthin, darum führt er auch drei Beziehungen fast gleichzeitig. Die blutjunge Taylor – welche nicht nur sein Kunstverständnis bewundert, im Gegensatz dazu die reife Anna, dankbar für eine neue liebe und äusserst Finanzstark… Doch da ist auch immer wieder Medora, welche er sein Leben lang schon kennt...
Kate Saunders / Liebe macht lustig
Beth ist wütend, ihr Mann Charlie plant eine Woche Liebesurlaub in Frankreich in einem wundervollen Chateau, allerdings nicht mit ihr und den beiden Kindern, sonder mit einer attraktiven jüngeren Mitarbeitern. Beth beschliesst zu kämpfen, so reisen sie als Familie ins schöne Frankreich und eine wütende Geliebte, Claire, bezieht grollend ein...
Albert Sanchez Pinol / Im Rausch der Stille
Ein Leuchtturm und das Häuschen des Wetterbeobachters, dies sind die einzigen menschlichen Zeugnisse auf einer winzigen Insel am Ende der Welt, wo nun das Schiff anlegt, einmal im Jahr ein Schiff, um den Wetterbeobachter abzulösen. Leider findet die Mannschaft, den Meteorologen nicht, nur einen geistig verwirrten Leuchtturmwärter namens Batis Caffo,...
Marlene Faro / Frauen die Prosecco trinken
Flora ist wohl eine sogenannt erfolgreiche Karrierefrau, sie ist Redakteurin bei einem der erfolgreichsten Frauenmagazine, dem “Marilyn”. Flora ist Mitte Dreissig, womit sie schon das Zielalter der Leserinnen fast überschritten hat, dazu Single und voller Widersprüche. Voller Ironie schwadroniert sie über die eigentlich doofe Welt des Glamours, seziert sich selbst...
Hiromi Kawakami / Herr Nakano und die Frauen
Tokio, der Laden des Herr Nakano, es ist ein Trödelladen, läuft eigentlich ganz passabel, so hat er denn auch zwei junge Leute angestellt Takeo und Hitomi. Takeo ist still und schüchtern, vielleicht ist es ja gerade diese Unerreichbarkeit an ihm, in welche sich Hitomi verliebt hat. Aber die beiden jungen...
Joel Haahtela / Sehnsucht nach Elena
Durch einen Zufall hat er ihren Namen erfahren, Elena, er wartet jeden Tag im Park auf Elena, an machen Tagen ist das Warten umsonst. Er lebt für diese Augenblicke, in denen er Elena sieht, er erkennt ihren Gang schon aus grosser Distanz. Als es einen jungen Mann an der Seite...
Matthew Skelton / Endymion Spring – Die Macht des geheimen Buches
Mainz 1452, der Drucker Johannes Gutenberg und sein Lehrling Endymion Spring erhalten nächtlichen Besuch. Es ist Fust, der wichtige Geldgeber Gutenbergs mit seinem Lehrburschen. Die Gäste haben eine schwere, eigentümliche Truhe bei sich, Endymions Neugierde ist geweckt. Der Junge kann die Truhe öffnen, dies gelingt nur denen, die reinen Herzens...
Tagged as:
Babuschki,
Fabrik,
Fernseher,
Fortschritt,
Frauen,
Gagarin,
Gemeinschaft,
Leningrad,
Moskau,
Mutter,
Roman,
Russland,
Sowjetunion,
Stummheit,
Tochter,
Widerstand
{ 0 comments… add one now }