Max ist dem alten Willy Knobel ein erstaunlich guter Enkel, was den alten Mann auch erfreut. Als Willy verunfallt, kommt es zu Komplikationen und es sieht gar danach aus, dass er bald sterben wird. Max legt sich mächtig ins Zeug, damit sein Opa bei ihnen zu Hause gepflegt werden kann, sein Vater Harald ist darüber recht erbost, sein Verhältnis zu seinem Vater Willy ist ziemlich schlecht. Da aber nicht nur sein Sohn, sondern sogar seine Frau Petra davon angetan ist, den Alten aufzunehmen, willigt er ein, schliesslich soll es sein Herr Vater ja nicht mehr lange machen und das Erbe, das will man sich ja doch nicht verscherzen. Die Pflegerinnen sind sympathisch, sie erfreuen sowohl Max, wie auch Willy. Heimlich beginnt Max eine Beziehung mit der Pflegerin Jenny. Max übernimmt auch einen Grossteil der Pflege, einerseits ist er seinem Opa zugetan, andererseits auch froh, dass dies nicht zu seinem Schaden so ist. Anfänglich entlöhnte ihn der Alte anständig und inzwischen bedient sich Max eigenhändig und ohne grosse Schuldgefühle, er sieht es quasi als Vorerbe oder Arbeitslohn an, Geld zu nehmen. Schliesslich ist Max an einen Kriminellen geraten und muss diesem monatlich Geld bezahlen, eine üble Geschichte. Auch Jenny scheint ein böses Geheimnis zu bewahren. Dummerweise genest Willy verblüffend unter der Zuwendung von Max und er wird lästig. Harald versucht dem Tod des lästigen Vaters ein Bisschen auf die Sprünge zu helfen, er kredenzt seinem Vater einen besonderen Cognac. Dummerweise landet dann Harald selbst in der Klinik und seine Frau plagt das schlechte Gewissen, sie hat eine Affäre und glaubt ihr Harald habe sich das Leben nehmen wollen. Harald weiss auch nicht, dass Petra den alten Willy ebenfalls versucht ins Jenseits zu befördern. Ihr Versuch endet glorios, sie hat einen Einbrecher damit zu Fall gebracht. Was ist los im Hause Knobel, was wollte der Einbrecher? Willy seinerseits schützt nun auf seine Art euphorisch die ihn ach so treu umsorgende Familie und greift zu seiner alten Schusswaffe, ein Knall erschüttert die Nacht und das Chaos ist perfekt.
Fazit
Drei Generationen unter einem Dach, die vermeintliche Familienidylle trügt und nichts ist wie es scheint. Jeder verfolgt seine Ziele und jeder möchte gerne seine Geheimnisse vor den Anderen verstecken. Kommt noch Geld ins Spiel, ist die Trennlinie zum Verbrechen rasch überschritten. Doch in all dem Chaos hat die Familie doch Momente von wahren Gefühlen füreinander. Ingrid Noll ist die Königsklasse, Familienroman, Drama, bitterböse Geschichten, berührende Momente, «Ehrenwort» ist schlicht grandioses Lesevergnügen!
Meine Wertung: 9/10
Ingrid Noll / Ehrenwort
Verlag: Diogenes, Seiten: 336
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bei dir findet sich doch immer wieder etwas interessantes.