Lucie verlässt einmal mehr einen Partner und weiss, er wird sie nicht mehr wollen, sie hat ihm nicht die Wahrheit gesagt. Doch was genau ist die Wahrheit, wer genau ist Lucie und warum ist sie durch ihre Lebensgeschichte so geworden wie sie ist? Auf dem Weg ins Dorf ihrer Kindheit, auf dem Weg zu ihrer Mutter Aline, welche nach einem Hirnschlag in einer Klinik liegt, wird Lucie von der Vergangenheit eingeholt. Glückliche Erinnerungen, wie sie ihrem Vater in seinem Pflanzenzimmer zugesehen hat beim Pressen von neuen Blumen, oder ihrer geschäftigen Mutter im Café, Gerüche, Kaffee, Gebäck, Lavendel, das Pfirsichschampoo von Mutters Haaren… Doch dann die Erinnerung an ihre Panik, als Aline mit dem Rauchen anfing, der Ton zwischen den Eltern ein anderer wurde, schliesslich gar keiner mehr, diese bedrohliche Stille vor der Abreise der Eltern. Zwei Monate Erholungsreise für die Mutter, endlose Bildungsreise für den Vater und Lucie klammert sich an Estelle. Estelle, Lucies richtige Grossmutter, aber das erfuhr Lucie recht spät, denn Estelle zog Aline nicht gross und so waren für Lucie Alines Pflegeeltern ihre Grosseltern. Doch nun kann Estelle ihre ganze Liebe, alles was sie nach zu holen hat auf Lucie übertragen. Auch für diese Zeit gibt es schöne Erinnerungen und es gibt die Angst, die Panik. Aber im Heute heisst es sich mit der Mutter auseinanderzusetzen und mehr als einmal kehrt Lucie um, ohne die reglose Frau im Bett tatsächlich besuchen zu können.
Fazit
Karin Richners Roman trifft mich ganz persönlich mitten ins Herz, viele Emotionen ihrer Figuren habe ich doch genauso erlebt in meiner Kindheit. Lucies Geschichte ist die Geschichte einer Kindheit voller intensiver Momente, schöner, aber eben auch trauriger. Eine Kindheit, welche im Besonderen die Rolle der Mutter (der Mütter) herausarbeitet. Richners Sprache ist intensiv und eine Überraschung, ganz plötzlich holt sie auch aus dem Unterbewusstsein des Lesers Vergangenes hervor. Eine Entdeckung!
Meine Wertung: 7/10
Karin Richner / Sieben Jahre Schlaf
Verlag: Bilgerverlag, Seiten: 111
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