In einer kühlen Märznacht im Jahre 1798 legt ein Boot ab von Thun aus, Flüchtlinge sind es, welche nun der Kälte harren, bangen und hoffen, alle haben sie ihre Geschichte. Da ist Maria, die junge Wäscherin wuchs bei einer Pflegemutter auf und verliess diese dann, weil sie den Greisen nicht heiraten wollte, den man ihr zugedacht hatte. Auf einem Hof fand sie dann Arbeit, harte Arbeit. Doch als auf dem Hof Soldaten einquartiert werden mussten, fand Maria Johann. Die Schweiz steht Kopf, die Franzosen rücken immer näher, es heisst, Bern, das mächtige Bern sei gefallen. Die Soldaten sind voller Wut, sie werden von hierhin nach dorthin und wieder zurück beordert. Niemand weiss wirklich Bescheid, manche liebäugeln mit den Freiheitsgedanken des französischen Regimes, haben das Patriziat satt und sind voller Hass auf die noblen Herren von Bern. Andere wollen kämpfen gegen diese Franzosen. Johann wollte kämpfen, doch als er sah, dass es zu spät war, wollte er nicht bloss Opfer sein, er ging zu Maria und wollte sie mitnehmen ins Berner Oberland, ins Lauterbrunnental. Da ging Maria noch nicht mit, doch einen Tag später hatte auch sie keine Wahl mehr, denn die Franzosen waren da, drei an der Zahl, wollten ihr übles Spiel mit ihr treiben, doch Maria konnte einen erschlagen und fliehen. Immer wieder hat sie sich gewaschen, mit eisig kaltem Wasser um das Blut abzuwaschen und die Spuren der Hände, die überall auf ihrer Haut waren. Zwei Männer sind auch auf dem Boot, niemand ahnt, wer der ältere Mann ist, es ist der Schultheiss von Steiger, tags zuvor wurde er enttrohnt. Eigentlich wollte er sich dem Feind entgegenstellen und so den Ehrentod finden, tragischerweise wollte niemand den alten Mann töten, von Steiger entkam. Der mächtige Mann denkt zurück, an einen seiner schlimmsten Widersacher, derjenige ist nun eingesetzt in einer Übergangsregierung, hätten sie doch bloss einmal zusammengefunden, es wäre vielleicht alles ganz anders geworden. Als Vater hat von Steiger versagt, sein Sohn und er sind entzweit. Doch plötzlich ist der Lebenswille wieder da, es muss doch möglich sein einen Widerstand aufzubauen gegen diese Franzosen und diesen verrückten Korsen. Der zweite Mann an von Steigers Seite ist Korporal Dubi, treu ergeben seiner Pflicht, aber auch ein Bewunderer von Steigers, er rettet diesem mehr als einmal das Leben. In Gedanken will der Korporal aber eigentlich bloss endlich zu Frau und Kindern und hofft, dass er für seine Dienste reich entlöhnt, alle noch gesund vorfinden wird.
Fazit
Einen Wendepunkt in der Geschichte der Schweiz und dem Leben der Hauptfiguren zeichnet uns Hartmanns Roman so dicht und eindrücklich auf. Die Stimmung des Thunersees bei Nacht, unterstreicht die ungewisse Situation. Jeder der Passagiere geht in Gedanken zurück zu den Stationen seines Lebens und gibt so einen tiefen Einblick. Absolut gefesselt hat mich dieser Roman und erneut blicke ich auf meinen geliebten Thunersee mit vollstem Erstaunen und einem ehrfürchtigen Gefühl im Herzen. Was würde dieser See wohl alles zu erzählen haben?
Meine Wertung: 8/10
Lukas Hartmann / Die letzte Nacht der alten Zeit
Verlag: Nagel & Kimche, Seiten: 281
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