Rosie la Belle, das war sie geworden, durch viele Länder gezogen, auf der Suche nach dem Glück und nun alternd und desillusioniert wieder in der Heimat in ihrem Kaff in der Innerschweiz gestrandet. Die schillernde Fremde ist für die Heimischen Anlass für wilde Gerüchte, doch einer will die Geschichte vom armen weisen Geissenmädchen von damals gerne anhören und diese auch aufschreiben. Es tut Rosie gut, das Erlebte von der Seele zu reden und schliesslich der Frau zu gedenken, welche ihr wohl die einzige Freundin im Leben war. Rosie landete in Amerika, als Mädchen, doch ganz anders als geplant, nur weil ein gerissener Geschäftsmann sie quasi gratis einkaufte. Für den berühmten Theodor Lent, Schausteller, ist Rosie die optimale Ergänzung in seinem Programm. Wie könnte er seine Hauptattraktion, die Affenfrau Julia Pastrana noch schauerlicher darstellen, als wenn er den krassen Gegensatz, die jugendliche Schönheit Rosis daneben stellt? Die hässlichste Frau der Welt und ihre Dienerin Rosie werden Vertraute. beide teilen sie das gleiche traurige Los, sie lieben ihren Impresario Theodor Lent. Abhängige sind sie beide Frauen und was sollten sie auch ohne diesen Mann? Lent nimmt sich alles von ihnen, als es so aussieht, als ob sich die Welt für die Rechte der Affenfrau einsetzten wollte, heiratet er diese, ein genialer Schachzug. Den beiden Gefährtinnen geht endlich auf, was für ein Mensch ihr geliebter Theodor ist, aber gibt es für sie ein Entkommen, Erlösung?
Fazit
Schribers Roman lässt uns tief eintauchen in die Mitte des neunzehnten Jahrhunderts. Die Geschichte dieser beiden Frauen, welche unterschiedlicher nicht sein könnten, berührt tief. Die Hässliche und die Schöne, auf Gedeih und Verderben ausgeliefert ein und demselben Mann, enden beide unglücklich. Doch selbst wenn dies eine traurige Geschichte ist, birgt sie etwas Tröstliches, diese Frauenfreundschaft war einzigartig.
Meine Wertung: 8/10
Margrit Schriber / Die hässlichste Frau der Welt
Verlag: Nagel&Kimche, Seiten: 190
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