Milena Michiko Flašar / Ich nannte ihn Krawatte

by Manuela Hofstätter on 4. Mai 2012

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Zwei Jahre lang studiert ein junger Mann den Riss in der Wand seines Zimmers, er ist ein Hikikomori und er weiss nicht genau zu benennen warum. So weiss er denn auch nicht, warum er jetzt das Wagnis eingegangen ist, sich nach draussen zu begeben und mitten in Japan auf einer Parkbank zu sitzen. Aber auf der anderen Seite des Weges setzt sich jeden Tag pünktlich immer zur selben Zeit ein deutlich älterer Mann hin, auf eine andere Parkbank. Der Geschäftsmann isst sein Mittagessen, guckt in die Zeitung, schläft ein und geht dann wieder weg. Langsam werden sie füreinander zu Gewohnheit diese beiden Männer und der jüngere empfindet das Bedürfnis den älteren zudecken zu wollen, denn wenn dieser einschläft, hat er den Gesichtsausdruck eines Kindes. Irgendwann wechseln die Männer die ersten Worte, der jüngere staunt, dass er noch welche über die Lippen bringt. Sie haben eine grosse Gemeinsamkeit, sie passen nicht mehr ins Schema ihrer Zeit, beide haben sie ihre Lebensgeschichte, welche sie ins Abseits trieb. So erzählen sich zwei Männer ihr Leben zwei Schicksale, so unterschiedlich und doch so ähnlich. Dieser Anfang in Worten, ein grosses Vertrauen zwischen Fremden eigentlich, ist der sachte Schritt zurück ins Leben. Die Norm richtete Schaden an in ihren Herzen und nun kann das Wunder ihres Aufeinandertreffens vielleicht Linderung schaffen?

Fazit: Mein neues Lieblingsbuch, berührend und ein kleines Wunderwerk von Menschlichkeit!
Dieses Buch ist ein kostbares Geschenk, eine Oase für die Seele eine absolut wunderbare Geschichte! Viel verraten mag man nicht, nur hoffen, es möge dieser Roman möglichst viele Menschen berühren, aufwühlen und ermuntern sich auf den Weg zu machen und mutig auf seine Mitmenschen zu zu gehen und sich auf sie einzulassen. Ich habe Tränen vergossen beim Lesen und das tat gut!

Meine Wertung: 9/10

Milena Michiko Flašar / Ich nannte ihn Krawatte
Verlag: Wagenbach, Seiten: 136

Manuela Hofstätter

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Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
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{ 2 comments… read them below or add one }

1 Sammelmappe Mai 6, 2012 um 10:33

Klingt optimistisch – nach Überwindung von Leid.

2 Roland Zumbühl Juni 11, 2012 um 10:53

10/10. Eines der besten literarischen Werke, das ich gelesen habe. Behutsam, einfühlsam und ehrlich baut sich eine Beziehung auf, die begreiflich wird, lauernde Ängste und Hoffnung zulässt.
Stilistisch sind da hin und wieder. Aber man lernt sie zu verstehen. Stilistisch sind da hin und wieder diese abrupten Satzabbrüche …

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