Er weiss ganz genau, dass sie richtig alt geworden sind, er uns seine Frau, doch er will nicht, dass die komischen Leute, welche manchmal einfach plötzlich in der Wohnung stehen, sie trennen oder gar noch schlimmer in ein Heim stecken. Er kann der alten Frau gut helfen, es stört ihn nicht, dass sie kaum mehr etwas ohne seine Hilfe erledigt, er wäscht ihr den Po, selbst wenn sie sich völlig eingekotet hat. Ja, das ist eklig, doch sie tut es nicht um ihn zu ärgern, sie ist krank. Wenn sie nebeneinander einschlafen, dann ist das immer noch ein vertrautes Gefühl, manchmal liegen sie nicht in ihrem Bett, sondern irgendwo, am Boden, dort wo der Schlaf sie eingeholt hat, was spielt das schon für eine Rolle? Ihr Leben besteht aus der nächsten Stunde, dem Bewältigen des Alltags und auch wenn er an sich auch gravierende Veränderungen hat hinnehmen müssen, so ist doch jeder neue Tag wertvoll. Er hat am schmerzlichsten zu tragen gehabt, als er feststellen musste, dass er nicht mehr lesen kann, die Wörter und Sätze ergeben ein beunruhigendes Durcheinander vor seinen Augen und in seinem Kopf. Doch genau genommen hat er ja kaum Zeit mehr für sich, also auch nicht für das Lesen, denn er kann die alte Frau nicht alleine lassen, sie braucht ihn und er braucht sie, und solange das so ist, ist alles in Ordnung.
Fazit: Demenz und Liebe!
Kurz, aber intensiv und ehrlich erzählt und dieser Roman vom Lebensabend eines alten, dementen Ehepaares. Die Herausforderung jede nächste Stunde in Angriff zu nehmen und füreinander da zu sein, obschon man eigentlich kaum noch bemerkt, wer man ist, das ist ungeheuer berührend.
Meine Wertung: 7/10
Péter Farkas / Acht Minuten
Verlag: Luchterhand, Seiten: 133
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