Rosa Ribas & Sabine Hofmann / Das Flüstern der Stadt

by Manuela Hofstätter on 14. September 2014

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Barcelona, 1952: Die junge Journalistin Ana Marti bekommt durch die Abwesenheit eines Kollegen zur Chance ihres Lebens. Sie darf die Polizeiberichterstattung über den Mord an der reichen und bekannten Arztwitwe Mariona Sobrerroca schreiben. Endlich mal richtig wichtige Artikel in der renommierten Tageszeitung verfassen zu dürfen und darunter ihren Namen Ana Marti setzen zu dürfen, sie will das unbedingt richtig gut machen und ist nervös vor dem Zusammentreffen mit dem Polizeiinspektor. Inspektor Castro ist in der Tat ein recht Furcht einflössender Mann, in Verhören gar nicht zimperlich, legt er gerne selber Hand an, und dass nun eine Frau die Berichterstattung schreiben soll, das passt ihm erst recht nicht, denn von oben her hat er immensen Druck bekommen, diesen unerfreulichen Fall raschmöglichst zu lösen. Castro weist Ana barsch zurecht, sie habe nur zu schreiben, was er ihr genehmige. Wer hat Mariona getötet? Diese Frage stellt sich auch Ana bald und bei einer Beerdigung im grossen Familienkreis belauscht sie glücklicherweise eine entfernte Cousine ihrerseits, welche sie durch ihr grosses Wissen, was Sprache und Schreibweise anbelangt, tief beeindruckt hat. Anas Mutter spricht eher abschätzig über die Cousine Beatritz, die eben die Intellektuelle in der Familie sei. Die beiden Frauen aber mögen sich auf Anhieb und gemeinsam werden sie neugierig und machen sich auf eine brisante Spurensuche in diesem Mordfall. Die Tote besass etliche Liebesbriefe, aber welcher Mann hat ihr diese geschrieben, wo ist er, ist er vielleicht sogar der Mörder? Die Briefe bedienen sich an Zitaten grosser Dichter, Beatritz kennt sie alle und sie entdeckt noch weitaus Spannenderes zwischen den Zeilen. Natürlich handeln die Frauen, ohne dass der Inspektor darüber etwas weiss, doch bald muss Ana bei Castro beichten, um ihm wichtige Informationen zu liefern, welche den Mörder schliesslich tatsächlich an die Polizei liefern. Natürlich dreht Castro zuerst fast durch, doch dann ist er Ana gar zu Dank verpflichtet, denn insgeheim hat sie ihn nämlich sehr beeindruckt. Castro ist froh, den Fall abschliessen zu können. Doch dann stossen Ana und Beatritz erst auf die ganze Tragweite dieses Mordes und stellen fest, es ist alles ganz anders und sie sind in höchster Gefahr, denn sie haben die ganz grossen aus Politik und Gesellschaft nun erst richtig aufgemischt. Bezahlen sie dies gar mit ihren beider Leben und Castro, der harte Hund, zu welcher Seite gehört der wohl?

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Fazit: Kriminell gute Literatur!
Ein Barcelonakrimi aus der düsteren Zeit der Francodiktatur, authentisch und absolut spannend! Ohne viele blutige Leichen, aber mit viel Raffinesse kommt dieser Kriminalroman daher und diese beiden Cousinen, die mit ihrem Wissensdurst nach Wahrheit und Recht gemeinsam agieren und mithilfe der Kraft der richtig gewählten Worte und der Sprache schliesslich gegen die Mächtigsten vorgehen, das ist schlicht berauschend gut geschrieben! Die Autorinnen sind zudem so vorgegangen, dass jede in ihrer Sprache jeweils ein Kapitel geschrieben hat und die jeweils andere dieses dann erst in ihre Sprache übersetzt hat, bevor sie das nächste Kapitel verfasst hat. Entstanden ist ein vortrefflicher, meisterhafter Kriminalroman in Spanisch und Deutsch.

Das Flüstern der Stadt. Arbeitsjournal.

Meine Wertung: 9/10

Rosa Ribas & Sabine Hofmann / Das Flüstern der Stadt
Verlag: Kindler, Seiten: 506

Manuela Hofstätter

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Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
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