Als die Psychologin und alleinerziehende Mutter zweier Töchter, Eliane Hess in der Nacht zu einem Notfall gerufen wird, ahnt sie noch nicht, dass dieser Patient ihr ganzes Leben verändern wird. Der achtjährige Yves hat in dieser Nacht, dem 11. August 1999, der Nacht mit der totalen Sonnenfinsternis, bei einem Autounfall seine Eltern und seine Geschwister verloren. Der Junge steht unter schwerem Schock, er plappert ohne Ende, jedoch niemals von den Personen, welche er verloren hat. Eliane ist gefordert wie selten, denn dieser Junge und sein Schicksal lösen in ihr selbst Gefühle aus, welche sie fast ein bisschen unprofessionnell werden lassen, der Fall geht ihr zu nahe, sie möchte Yves um jeden Preis beschützen und heilen. Beschützen vor den Verwandten, welche sich um das Sorgerecht zu streiten beginnen, aber auch beschützen vor seiner Trauer, welche ihn aufzufressen droht. Es zeichnet sich eine dramatische Familiengeschichte ab rund um Yves, war der Vater gar absichtlich in die Tunnelwand gerast? Elianes Gefühle für diesen kleinen Jungen sind sehr stark, als er dann vorübergehend zu ihr gegeben wird, erobert er auch die Herzen ihrer zwei Töchter im Sturm und es passiert Erstaunliches. Die Töchter hatten sich eigentlich völlig, sicher auch altershalber, von der Mutter abgewandt, doch Yves und seine Art, bringt alles in Bewegung. Die Töchter und Eliane rücken näher zueinander, alte Muster brechen auf. Doch Yves wird der Schwester seiner verstorbenen Mutter zugesprochen. Eliane verliert völlig den Boden unter den Füssen, möchte um Yves kämpfen und weiss doch so genau, dass dies nicht ihr Recht ist. Aber es geht doch immerhin um das Wohl von Yves und dieses verändert sich leider zum Schlechten, es geht ihm wieder schlimmer, er reisst immer öfter aus, verschliesst sich wieder völlig und verweigert schliesslich die Nahrungsaufnahme. Es muss gehandelt werden und somit nimmt das Leben von Eliane Hess und ihrer Familie endgültig ganz neue Formen an.
Fazit
Dieser Roman von Lukas Hartmann trifft den Lesenden tief und nachhaltig. Die tragische Geschichte vom kleinen Yves macht wohl jedermann betroffen. Aber ebenso beklemmend und absolut nachvollziehbar ist die Not von Eliane Hess und ihrer Familie, das Bestreben, für Yves da zu sein geht gar an die Grenzen des Möglichen, auf jeden Fall aber übersteigt es die Grenze der Fachfrau Eliane Hess. Keine psychologische Behandlung kann in so einem Fall wirklich greifen, einzig das «unprofessionnelle», total persönliche, völlige Eingehen und Mitfühlen mit Yves kann seinen Schock aufspalten. Für mich ist dies auch das beeindruckende Hauptthema dieses Romanes, in einer Zeit, in welcher immer mehr Menschen einen psychologische Behandlung benötigen, frage ich mich ehrlich, was dies wirklich bringen kann. Ein eindrückliches, aber auch bedrückendes Buch, darum ist mir wichtig zu sagen, wie schön es aber eben auch zu lesen ist, denn es schenkt uns sehr wohl auch lichte Momente, tiefe Verbundenheitsgefühle und sogar Hoffnung. Manchmal braucht es harte Schicksalsschläge, damit der Mensch wieder echt ist und für sich und seine Nächsten da sein kann.
Meine Wertung: 8/10
Lukas Hartmann / Finsteres Glück
Verlag: Diogenes, Seiten: 305
{ 1 comment }

















