Deutschland

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Rick wächst in einem Brandenburger Vorortkaff auf, seine Eltern hat er früh verloren und so ist er bei einer älteren Frau, der Tante Bambusch untergekommen, welche er von Herzen gern hat. Mit seinen achtzehn Jahren hat Rick eigentlich ganz bescheidene Wünsche, er möchte gerne eine Lehrstelle als Gärtner finden, aber das ist leider nicht so leicht. Dass er ausgerechnet dank ein paar Jungs, welche besoffen auf der Strasse hängen und ihm seit jeher das Leben schwer machen, an die ersehnte Lehrstelle gelangt, kommt Rick schon etwas suspekt vor, aber eine Ausbildung in Berlin, das ist einfach zu schön um zu zweifeln. So nimmt er denn auch schweren Herzens die eigenwilligen Rahmenbedingungen zu seiner Lehrstelle an. Ja, er hat schon von der Organisation «Heimatschutz» gehört und er weiss, sie verfolgen zweifelhafte Ziele, doch inzwischen auch noch frischverliebt, kann er damit leben, die angeforderten Berichte abzuliefern. Der Park, in welchem Rick zu arbeiten hat, grenzt an einen jüdischen Kindergarten. Seine Aufgabe ist es lediglich, diesen zu beobachten und darüber zu berichten. Rick hat sofort einen kleinen Jungen von dort ins Herz geschlossen, oder vielmehr war es Ninu selbst, der Rick im Sturm eroberte. So verbringt Rick denn auch seine Mittagspausen immer mit seiner Freundin bei Ninu, alle zusammen sind sie eine fröhliche Gruppe geworden. Als Rick aber dann für den Heimatschutz etwas spezifischeres machen soll, bemerkt er, dass er das nicht will und ahnt auch, dass er angelogen wird. Aufmerksamkeit in der Presse möchte die Organisation, natürlich sind sie nicht gegen Juden, natürlich empfinden sie das in der Vergangenheit Geschehene nicht gut, lediglich Gleichheit für alle Kinder möchten sie erreichen und dass die Gelder nicht nur noch in solchen Mengen in jüdische Projekte fliessen sollen, das müsse für ihn doch auch logisch sein. Sie wollten ja auch nicht seine Katze töten damals, aber es passierte und Schuld war einzig Rick alleine, denn er bezahlte sein Schutzgeld nicht. Rick hat Angst, grosse Angst um die Menschen welche er liebt und er kennt den Verlust bitterlich. Seine Gefühle versucht Rick in seinen Comics auszuleben, das hilft ihm den Alltag zu überstehen. Jetzt aber muss Rick eine Entscheidung treffen, und er weiss genau, sie wird folgenschwer sein.


Fazit
Ach, nicht dieses Thema vom Rassenhass und den Deutschen schon wieder, das mag man denken. Aber nicht, wenn man Arjouni kennt. Steht Arjouni drauf, dann ist tiefe Menschenkenntnis und die Frage nach der Ethik drin. Voller Verständnis für Rick, werden wir in den Sog seiner Geschichte gerissen und am Ende bleiben wir nachdenklich zurück. Dieses Nachdenken ist wertvoll und macht diesen Roman einfach unvergesslich!

Meine Wertung: 8/10

Jakob Arjouni / Cherryman jagt Mr. White
Verlag: Diogenes, Seiten: 168

Manuela Hofstätter

Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.

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