Michael Beard ist gewiss alles andere als ein attraktiver Mann, mit seinen 53 Jahren, lebt er aber bereits in der fünften Ehe. Beard ist Nobelpreisträger, ein kluger Mann, das wirkt wohl bei den Frauen, aber sein Glanz ist matt geworden, eigentlich leistet er beruflich kaum etwas Nennenswertes. In amourösen Dingen aber ist er unersättlich, genau so gerne wie er isst, was man ihm auch ansieht, vernascht er Frauen. Seine fünfte, natürlich mehrfach betrogene Ehefrau rächt sich mit einem Liebhaber. Es tritt ein Phänomen auf, welches Beard auszeichnet: verliert er eine Frau, zerreisst ihn die Sehnsucht nach ihr und er kann das Unrecht das ihm angetan wird schlecht verkraften. Aber schliesslich endet auch die Ehe Nummer fünf, mit einem Mord genaugenommen. Einem Mord an einem Liebhaber seiner Frau, sie hatte derer aber gleich zwei und als der andere verurteilt wird, erfüllt dies Beard mit einer gewissen Genugtuung. Nach einer gütlichen Scheidung schwört Beard der Ehe innerlich für immer ab, führt zeitgleich wieder mehrere Beziehungen und dann passiert das Schrecklichste überhaupt, er wird Vater. Michael Beard kann mit dieser Tatsache mehr schlecht als recht und zu seinem Glück ehelos umgehen. Beruflich legt der dicke Physiker sogar einen plötzlichen Elan an den Tag, verknüpft gar mit ethischen Gedanken zur Welterrettung. Erneuerbare Energien, dies ist der Zauberbegriff, es gilt Gelder zu generieren, es soll Überzeugungsarbeit geleistet werden, Hilfe für die Zukunft der Menschheit. Michael Beard, der Held der Zukunft, oder doch nur ein egoistischer dicker Mann?
Fazit
Welch brisant aktuelles Thema, erneuerbare Energie auf der einen Seite und welch klare Zeichnung der Menschheit, welche selbst in Exemplaren von hoher Intelligenz eben doch trivial ist und bleibt! McEwan ist ein äusserst unterhaltsamer und zum Nachdenken anregender Roman gelungen, um einen Mann, der zwiespältiger nicht sein könnte!
Meine Wertung: 7/10
Ian McEwan / Solar
Verlag: Diogenes, Seiten: 401
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