Novelle

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David Moore ist Pflichtverteidiger im Fall der Emilie T., und als junger Jurist steht er einem gewieften Anwalt gegenüber; Staatsanwalt Pichler weiss, wie Prozesse ablaufen, und gewinnt diese auch meistens. David, im Privatleben soeben gestrauchelt, die Frau seines Lebens hat ihn abgewiesen mit der Begründung, er sei nicht Herr in seinem eigenen Kopf, sieht eine willkommene Ablenkung in seiner Arbeit. Die Herausforderung ist tatsächlich riesig, Emilie T. wird vorgeworfen, mitschuldig zu sein am Tod von weit über sechzig Menschen. Emilie schweigt eisern vor Gericht, kein Mienenspiel verrät etwas über sie. Die Öffentlichkeit nimmt grossen Anteil an diesen Verhandlungen, die Menschen sind geteilter Meinung, das Thema Sterbehilfe polarisiert ungemein. Ein Indizienprozess muss geführt werden und David kämpft, er bemüht auch mal das vordergründig banale Wissen des ersten Semesters seiner Ausbildung, wenn er “In dubio pro reo” einfordert, um sein Ziel zu erreichen, dass Emilie unschuldig gesprochen wird. David staunt, selbst hartgesottene Polizeibeamte kippt er gekonnt aus dem Konzept. Auch wenn David inzwischen juristisch gesehen denkt, dass Emilie schuldig ist und auch real davon überzeugt ist, dass sie Sterbehilfe geleistet hat, so kämpft er doch weiter und dies offenbar mit Erfolg. Aber die Fragen lassen David keine Ruhe, Fragen über Moral, Ethik und Recht. Sein Beruf ist eben nur ein Aspekt. Was ist mit ihm, David dem Menschen?


Fazit: In dubio pro reo. Oder? Eine geniale Denkanregung!
Bundi erreicht mit wenigen Seiten, dass der Leser seiner Novelle nachdenkt, dies beeindruckt mich ungemein. Gerechtigkeit, nach welcher wir alle gerne laut schreien und dabei gar nicht wissen, was diese denn noch bedeutet oder bedeuten soll. Selbstgerecht hingegen, das sind wir vehement und wer sich dessen bewusst ist, der wird grosse Freude haben an dieser äusserst feinen Novelle. Wo liegt die Wahrheit? Oft nicht dort, wo man meint, sie zu sehen.

Meine Wertung: 8/10

Markus Bundi / Emilies Schweigen
Verlag: Klöpfer & Meyer, Seiten: 120

Manuela Hofstätter

Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.

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