Sohn

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Ralph Keller, eigentlich nennen ihn aber alle nur Keller, ist ein humorvoller Mensch und steht mitten im Leben mit seinen 46 Jahren. Hat er sich zwar soeben von seiner Frau getrennt, aber ist als Kommunikationsberater gut im Beruf unterwegs und ein recht zufriedener Mensch. Einzig den Zugang zu seinem Sohn muss er neu aufbauen und dies macht ihm ein wenig Sorge. Doch plötzlich kommt Unruhe in sein Leben, Keller merkt, dass er ein Wort verloren hat, er starrt auf das Ding mit Henkel, aus welchem er seinen Kaffee trinkt, doch von nun an ist es ihm unmöglich das Wort «Tasse» auszusprechen. Weil er merkt, dass der Tasse weitere Worte folgen wollen, vertraut er sich seinem Hausarzt an und dieser nimmt die Sache Ernst und stellt fest, dass es sich um den Anfang einer Aphasie (Sprachverlust) handeln könnte. Kurz darauf und ausgerechnet in einer Buchhandlung erleidet Keller einen Hirnschlag, welcher ihm endgültig die Sprache raubt. Für den sprachgewandten Keller beginnt eine völlig neue Zeit, wie macht man sich verständlich ohne Worte und wird er seine Fähigkeit zu Sprechen wieder erlangen. Er bekommt die beste Therapeutin und wahrlich, die ist schon nicht ohne, diese Frau bringt Keller innert kurzer Zeit dazu ein Wort wieder auszusprechen und wenn es nur ein so banales wie Löffel ist. Doch dann verläuft sein Kampf die Sprache wieder zu erobern schleppend, einerseits legt Keller einiges an Fantasie an den Tag um sich zu verständigen, aber eben, er spricht nicht, die Scham und die Wut hindern ihn. Aber Keller erobert doch, schliesslich ist er kein schwacher Mensch, zuerst begegnet ihm eine aussergewöhnliche Frau und dann findet er Zugang zu seinem Sohn, wäre doch gelacht, wenn er nicht auch seine Sprache wieder erlangen würde, oder?


Fazit: Keller fehlt ein Wort, aber Tschan zum Glück nicht!
Dieses Debüt von Patrick Tschan hat mich völlig in seinen Bann gezogen, dieser Keller, der ist ein ganz und gar unvergesslicher Zeitgenosse! So witzig wie auch schonungslos real und beängstigend der Autor diese Geschichte eines Mannes mit Aphasie erzählt, das ist schlicht grandios. Schon lange nicht mehr hat mich ein Roman so überrascht und aufgewühlt. Tschan versteht den Zauber der Worte richtig einzusetzen, ich hoffe, er schreibt noch mehr für uns.

Meine Wertung: 9/10

Patrick Tschan / Keller fehlt ein Wort
Verlag: Braumüller, Seiten: 287

Manuela Hofstätter

Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.

{ 3 comments }

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