Wahn

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Martijn van Vilet ist verzweifelt, das Funkeln in den Augen seiner achtjährigen Tochter ist erloschen, der Tod der Mutter war bestimmt zu viel für die Kinderseele. Aber da kommt der Tag, an welchem Lea ihren Vater in die Berner Bahnhofsunterführung zerrt, hin zu dieser Musik, hin zur Strassengeigerin. Der Vater ist unendlich erleichtert, denn Leas Augen sprühen wieder voller Lebensfreude. Natürlich muss sofort einen Geige gekauft werden, eine gute Geige. Sofort wird auch klar, dass Lea eine ganz aussergewöhnliche Begabung hat, sie bekommt bei einer grossen Dame Unterricht, füllt erste Konzertsäle. Van Vilet freut sich riesig für seine Tochter, aber es ängstigt ihn auch, dass sie eigentlich keine Nähe zueinander haben und Lea eigentlich überhaupt keine Freundschaften hat. Zu Gunsten eines noch grösseren Mentors lässt Lea ihre Lehrerin zurück, der Vater sieht es mit Entsetzen, denn er mochte diese Frau auch sehr und vermutet, dass sie für Lea ein Mutterersatz hätte sein können, oder es gar war. Van Vilet leidet zusätzlich da er merkt, dass Lea wohl auch amouröse Gefühle für den neuen Mentor hegt. Und tatsächlich, als dieser Mann Lea seine Verlobte vorstellt kommt es zu einem ersten Zusammenbruch. Der Vater erkämpft Leas Genesung, kauft ihr eine ganz besondere Geige, Lea füllt schon bald wieder grosse Säle und löst Begeisterungsstürme aus bei Musikkennern. Doch van Vilet bemerkt die leisen Anzeichen, Lea ist oft abwesend, völlig versunken, manchmal vergisst oder vermischt sie die Dinge auf erschreckende Art und Weise. Nähe bekommen Vater und Tochter nicht in den Griff und es endet in einer unheimlichen Tragödie für beide.

Fazit
Und haben wir die Liebe und Nähe nicht zu den Menschen, sondern nur eine blosse Leidenschaft, oder Begabung, dann enden wir im Wahn und Abgrund. Dies macht uns Mercier in dieser eindringlichen Geschichte so deutlich, dass es uns richtig unter die Haut geht. Da wäre Liebe, aber sie weiss sich nicht den rechten Weg zu finden. Die Geschichte von Lea und van Vilet wird man nicht einfach vergessen… Lesen!

Meine Wertung: 8/10

Pascal Mercier / Lea
Verlag: Hanser, Seiten: 253

Manuela Hofstätter

Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.

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