Wien

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Alfred ist ein Antiquitätenhändler aus Leidenschaft und seine Objekte liebt er so inniglich wie die Frauen. Alfred weiss sich zu benehmen und das ist in einer Stadt wie Wien und in seinem Beruf enorm wichtig. Leider geht Alfred dann in seiner Verliebtheit zu weit, dass er die Frau eines ranghohen Mannes der Wiener Gesellschaft verführt hat, das wäre so weit noch kein Problem gewesen, im Gegenteil, der unwissentlich Betrogene wollte gar investieren in ein grösseres Ladenlokal von Alfred, wovon dieser ja so träumt. Als sich Alfred aber Hals über Kopf in die Tochter der feinen Familie verliebt und diese beherzt gar heiraten will, ist er dann doch erschrocken, wie sehr die verletzte und beleidigte Mutter zu Mitteln zu greifen weiss, um ihm zu schaden. Das Projekt der Geschäftsvergrösserung jedenfalls ist geplatzt und er wird denunziert wegen seiner Vergangenheit, Wien zeigt Alfred eine brutale Seite und erinnert ihn schmerzlich an die Verbrechen der Vergangenheit. Doch zum Glück trifft Alfred auf eine reizende Dame, welche ihm einen Deal vorschlägt, der eine weitere Gefahr in Alfreds Leben bringt, er soll ein Bild wiederbeschaffen, welches vor siebzig Jahren von den Nazis geraubt wurde. Alfred findet das Bild tatsächlich, sein Handeln jedoch bringt ihn in grosse Gefahr und er tut etwas, das sich mit seiner hohen Ethik eigentlich nicht verträgt. Aber manchmal muss man im Leben Recht und Unrecht im grossen Konsens betrachten und neu angehen. Alfred handelt und rechnet auch richtig damit, schliesslich hat er ja einen grossen Traum, welchen es zu erfüllen gilt.


Fazit: Lust auf ein Stückchen Wien?
Dieser Roman spielt in Wien und man wähnt sich auch sogleich dort. Als ich in Wien war, empfand ich die Städter dort doch als recht eitel bis blasiert, was den Kellnern vermutlich schon als Markenzeichen ihrer Stadt eingebläut wird. Ich habe Wien geliebt, vielleicht auch, weil dort alle ein bisschen abgehoben klingen und wirken, genau diese Stimmung bringt der Autor in diesem Roman exakt auf den Punkt. Man muss sich etwas an diese “gehobene Wiener”-Sprache gewöhnen, dann kann man Alfreds Geschichte richtig geniessen und sich nach Wien sehnen und nach einem Besuch in einem schönen Antiquitätenladen.

Meine Wertung: 6/10

Josef Brainin / Der Staubleser
Verlag: Braumüller, Seiten: 295

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