Aus dem Leben einer Buchhändlerin im Juni

by Manuela Hofstätter on 20. Juni 2013

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In den Ferien lesen Buchhändlerinnen viel weniger als sonst. Ich dachte, ihr solltet das wissen.

Wenn Montag, Dienstag und auch weitere Tage mit den Worten: “Schatz, Kaffee ist fertig!” beginnen, wenn schlagartig der Sommer da ist und bei 32 Grad Hitze und mehr die ganze Familie stundenlang im See planscht und wenn ich seit mehreren Abenden das spannende Buch noch nicht zu Ende gelesen habe, ja, dann ist Ferienzeit bei mir angebrochen. Sommerferien, das bedeutet in meinem Fall wirklich Ausnahmezustand, denn normalerweise lesen Leute in den Ferien ausgiebig oder überhaupt nur dann, bei mir ist es eben gerade ein bisschen andersrum. Der Stapel mit meinen Büchern ist so verlockend wie immer, aber irgendwie steht alles ein wenig Kopf. Natürlich rede ich immer mit meinem Mann, aber in diesen Tagen eben oft ausgiebiger, länger, bis die Nacht hinein, gerne auch bei einem Glas Wein, da fallen dann der Buchhändlerin einfach die Augen zu, wenn sie zwischen die Seiten abtauchen will. Dieses Jahr fahren wir auch noch nach Frankreich und verbringen dort im Familienpark Ferien. Zur Krönung noch mit Freunden, welche gar drei Kinder besitzen. Es ist durchaus fraglich, wer hier nun wen besitzt, es sei nur so viel gesagt, unsere Frankreichtage sind laut, wild, nass und noch schmutziger als unser Alltagsleben und ja, wir geben es zu, völlig in Kinderhänden.

Nutellaverschmierte Hände und Gesichter, Tierparkbesuche, Wasserspass und sportliche Ertüchtigungen in zahlreichen Spielanlagen und weitere solche Kindereien. Erholsam ist dabei nur die Tatsache, dass im Familienpark immer Kinder schreien und heulen und so fällt es nicht auf, sollten es denn die eigenen sein. Familienferien und das erst noch mit Freunden, also noch mehr Kindern, dass wir das einmal freiwillig machen würden, das hätte ich vehement bestritten. Warum also tun wir das schon das dritte Jahr hintereinander, in diesen Park fahren? Weil der Park wundervoll ist. Autofrei, Natur pur, und weil abends eine phänomenale Ruhe über den schönen Holzhäuschen liegt, die Kleinen abends auch mal müde sind und die Eltern glücklich, das geb ich unumwunden zu. In der Tat machen die albersten Spielereien auch Spass, wer keine Kinder hat, darf ja kaum so ungehemmt spielen, auf Spielplätzen ja ohnehin nicht, da würde man unter Umständen ziemlich schnell vom Platz verwiesen oder gar abgeholt. Ich tobe mich gerne aus, ich spiele gerne und mache mich freudig zum Affen, mitten unter Kindern, das gibt mir irgendwie eine tiefe Befriedigung und es leert meinen Kopf. Alltagssorgen und Müll, welche in den Gehirnwindungen liegen geblieben sind, werden entsorgt.

Abends dann und manchmal gar tagsüber, stecke ich den Kopf in meine Bücher, lese ein paar Seiten, komme aber nie so voran, wie ich dies sonst gewöhnt bin, aber es ist mir völlig egal. Am Ende der Ferien bin ich dann jeweils ausgehungert, stürze mich freudig in den Alltag, abends in die Seiten und geniesse es, wieder “richtig” lesen zu können. Alles, was ich damit eigentlich sagen will, ist, dass Ferien ungeheuer wichtig sind. Sich erholen, so wie man es mag, etwas Anderes machen und dann wieder frisch und gestärkt loslegen! Ich wünsche allen wundervolle nächste Ferien!

PS: Im April und im Mai habe ich jeweils zehn Buchbesprechungen aufgeschaltet. Es darf geraten werden, wie sehr im Juni mein Lesefieber wohl wirklich nachlassen wird!

Manuela Hofstätter

Manuela Hofstätter

Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
Manuela Hofstätter
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