Aus dem Leben einer Buchhändlerin im August

by Manuela Hofstätter on 25. August 2013

malenundgipsen

Malen & Gipsen

Der diesjährige August neigt sich schon fast dem Ende zu, also schnell her mit den Sätzen, meine Kolumne soll noch geschrieben werden. Was habe ich denn gemacht in diesem Monat? Viel zu wenig gelesen habe ich, darüber bin ich mir im Klaren, aber was dazu so alles geführt hat, dies sei für einmal auch erwähnt. So eine Buchhändlerin, wie auch ich, hat ja auch noch ein Leben ausserhalb der vielen Buchdeckel. Nun denn, meines ist, wie ja so manche wissen, belebt von meinen äusserst aktiven Kindern. Mein grosser Junge wird ja in ein paar Wochen fünf Jahre alt und er ist ein stolzer Kindergartenjunge geworden, eine Hürde mehr, komplikationslos gemeistert. Nun ja, “komplikationslos” ist eben eher ein seltenes Wort in unserem Alltag. Unser kleiner Ritter ist ein richtiger Bengel und als solcher lässt er es ab und zu richtig krachen. Wir haben neue Hausmitbewohner, oder sollte ich besser sagen “Burgmitbewohner” erhalten. Eine Mutter mit vier Kindern, zwei davon Jungs, beide älter als unser Ritter. Also hat sich unser kleiner Ritter so richtig herausgefordert gefühlt, als diese grossen Jungs mit Pistolen auf ihn herunter schossen. Kurzerhand tat er, was ein mutiger Ritter in solchen Situationen zu tun hat, er verteidigte sich, und zwar mit seiner längsten Lanze. Die lange, schwere Holzstange rammte er also laut brüllend und kraftvoll von unten an den Balkonboden hoch. Eigentlich fand ich das recht nachvollziehbar, dass mein Ritter in den Kampf zog, und genoss es meinerseits, einen Schwatz mit meiner neuen Nachbarin zu führen. Allerdings irritierte es mich schon etwas, dass sich Staub oder ähnliches Material sich vom Balkonboden unserer Hausmitbewohner zu lösen schien und als dieses Material im Auge meines Ritters landete, wurde ich auch akustisch von meinem Schwatz losgerissen. Mittlerweile jammerte der Ritter, seine Augen taten weh und meine waren alsbald weit aufgerissen, als sie den Blick hoch auf den Balkonboden richteten. Es klafften Löcher über mir, also im Balkonboden unserer neuen Hausmitbewohner. Und es waren nicht gerade wenige Löcher. Löcher, im Beton? Nein, unmöglich! Hysterisch versuchte ich zu lachen und mich damit zu beruhigen.

Tja, so kam es also dazu, dass ich heute unter die Gipser gekommen bin. Es handelte sich nämlich um eine auf den Beton aufgetragene dünne Platte, welche unser Ritter mit seiner Lanze gelöchert hat. Und eben an dieser spachtelte ich also sämtliche Kampfspuren mit Gips zu. Gipsen ist so eine Sache für sich. Es gilt, die richtige Mischung herauszufinden, denn auf dem Pulver steht nämlich mitnichten, wie viel Wasser man zugeben soll. Dann ist es ehrlich gesagt auch eine Kunst, auf einer Bank wie ich zu stehen und über dem Kopf Löcher auszufüllen und glattzuspachteln, denn das kann wirklich ins Auge gehen, so auch in meine, welche doch schon ach so viele Buchseiten in dieser Arbeitszeit des Gipsspachtelns hätten lesen können. Immerhin wurde ich dann gar noch gelobt, sogar vom fachkundigen Mann im Studio gleich unter diesem frisch gespachtelten Boden. Natürlich ist damit der Schaden noch lange nicht in Ordnung gebracht, denn jetzt gilt es dann noch zu malen, und zwar mit der richtigen Farbe im richtigen Grauton und ich fürchte, ein einziger Anstich wird sicherlich nicht reichen.

Man ahnt es, weitere wertvolle, vergeudete Lesezeit wird verloren sein. Aber da ich ja ein vielseitig interessiertes und auch recht realistisches Wesen bin, sehe ich diese Sache positiv. Dem Buchhandel geht es nicht gerade rosig, aber ich bin mir recht sicher, dass ich auch als Gipserin und sicherlich auch Malerin ein gewisses Talent an den Tag legen würde. Ein klein wenig erregt hat mich dieser Schadensfall ja schon, aber zum Glück rannten wir dann mit unseren Kindern am Thuner Stadtlauf, das hat mich recht ermüdet und ich bin nicht so sicher, ob ich Talent zum Laufen in gewinnbringendem Masse entwickeln könnte, aber ich arbeite daran. Vielleicht. Immerhin, es ist jetzt Abend, meine Augustkolumne ist geschrieben und nun schlafen müde Kinder und ihre Mutter weiss jetzt genau, was sie noch machen will: Lesen, einfach nur lesen, es stapeln sich so verflixt viele nagelneue und so vielversprechende Bücher rund um mein Bett herum, aber davon mehr im September. Und sagt bitte nicht, ihr hättet keine Zeit zum Lesen, ich will das nicht hören!

Manuela Hofstätter

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Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
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{ 2 comments… read them below or add one }

1 Markus Wild August 25, 2013 um 22:42

Menschen wie du finden überal Möglichkeiten.
Ich hoffe aber, dass dein Buchhandel noch lange läuft.

2 buechermaniac August 27, 2013 um 18:40

Wie wär es sonst mit einem Fachbuch übers Gipsen und nun für den bevorstehenden Anstrich über Malen – aber bitte nicht Van Gogh, sonst haben wir plötzlich Sonnenblumen zu bestaunen ;)

LG buechermaniac

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