Aus dem Leben einer Buchhändlerin im Dezember

by Manuela Hofstätter on 19. Dezember 2013

Der Dezember ist in den Buchhandlungen ein äusserst wichtiger Monat, denn ein Buchgeschenk ist gerade auch in letzter Minute immer sehr beliebt. Ich habe dieses Jahr das grosse Vergnügen, diesen Monat häufiger im Laden zu wirken, so dann auch am 24. Dezember, wobei das Vergnügen sich an Heiligabend in Grenzen halten wird. Wenn die meist grösste Buchlieferung des Jahres frühmorgens angeliefert wird, werde ich diese in Empfang nehmen. Das heisst, ich werde irgendwann zwischen 06:00h und 07:00h eifrig am Bücherauspacken sein, damit alles bereit ist, wenn dann die Massen ab 08:30h uns hoffentlich die Türe einrennen. Es ist immer spannend zu sehen, ob es alle gewünschten Bücher noch geschafft haben einzutreffen, meist ja, denn erstaunlich viele Titel finden den Weg in unsere Buchhandlung noch rechtzeitig, auch solche aus dem deutschen Barsortiment. Und wenn dann die Kunden richtig strahlen und finden, der Service des Buchhandels sei schnell, dann ist das schon ein feiner Moment. Ich darf dann nach all der Bescherung am Mittag meinen Kolleginnen frohe Festtage wünschen und bin dann raus aus dem Geschäft für dieses Jahr.

Mein Dezember war recht weit weg von besinnlich. Wir hatten mit unseren zwei Kindern über sechs Mal Weihnachtsfeiern zu absolvieren und ganz ehrlich gesagt, die Sache mit den Adventskalendern, das ist Stress pur. Unsere Kinder stehen morgens gar früher auf, nur wegen ihrer Geschenke im Kalender und natürlich gehen sie deswegen abends nicht früher ins Bett. Insgesamt sind sie also müder und quengeliger, von den Dramen, wer etwa das bessere Päckli erhalten hat und Ähnlichem, will ich gar nicht mehr berichten. Irgendwie hat das alles ja auch etwas Schönes und vermutlich möchte ich es doch nicht missen.

Eine beiden letzten Lesefiebertouren in diesem Jahr, die waren so genial, die betrachte ich glatt als mein persönliches Jahresgeschenk. Im Kunstmuseum Thun durfte ich für die Genussakademie lesefiebern und ich hatte gut 60 begeisterte Gäste vor mir. Eine Frau, die mich nur vom Netz her kannte, reiste gar vom Bieler- an den Thunersee, um mich einmal zu treffen. Leider konnte ich gar nicht viel mit ihr plaudern, aber ihr Besuch hat mich sehr berührt und die “Erlacher Müntschi”, welche sie mir mitgebracht hat, die sind etwas vom Feinsten, was ich Schleckermaul je habe geniessen dürfen. Danke Käthi!

Feierabend

Die allerletzte Tour war in Affoltern am Albis und es waren mindestens 70 Lesefreudige dort, so viele Leute haben mir noch nie zugehört und ich habe das sehr genossen. Unter all den vorgestellten Büchern hatte ich auch Raritäten mit dabei, so das Buch von Hugo Feierabend: “Friss oder leb“. Der Autor hat sein Werk selbst verlegt und man bekommt es über den Buchhandel eben nicht ganz so schnell und einfach. Ich habe der versammelten Menge inniglich und ein wenig schelmisch darüber berichtet, wie ich abends bei Feierabends angerufen habe und wie schön es ist, sagen zu können: “Guten Abend, Herr Feierabend!”. Zuerst hatte ich ja die Frau Feierabend am Apparat und diese fragte schon etwas bestimmt und genauer nach, was ich denn genau von ihrem Mann wolle. Nun, diese Tatsache, die habe ich natürlich ausgeschlachtet zur Erheiterung des Publikums. Einen Text aus seinem Buch, welchen ich dann vorgelesen habe, der hat dann auch für viele Lacher gesorgt. Später dann, nach der Veranstaltung, da stand plötzlich ein Mann vor mir, er guckte etwas sehr streng, aber ich fühlte genau, ganz ernst war ihm dieser Blick nicht. Als er tatsächlich sagte, was ich schon leise befürchtet habe, nämlich: “Ich bin der Herr Feierabend!” … Nun, das war einer der Momente in meinem Leben, die mir ganz und gar unvergesslich bleiben. Zuerst leises Erschrecken, was habe ich bloss alles über ihn erzählt, jetzt ist aber Feierabend, kann ich nicht eine Maus sein bitte und rasch verschwinden? Dann Erleichterung, er ist mir nicht wirklich böse und schliesslich dann Lachen und riesengrosse Freude! Diese Begegnungen, genau solche Dinge, machen das Salz in der Suppe des Lebens aus, wenn ich das mal so sagen darf! Gerne empfehle ich hier das überaus lustige, ironische, zynische, wahre wie auch unvergleichliche Buch “Friss oder leb”! Aber als Weihnachtsgeschenk, da kommt dieser Tipp zu spät. Also keine Hektik, bitte noch einmal auf lesefieber.ch stöbern, die Buchhandlung ihres Vertrauens aufsuchen und so klappt es mit dem besten Weihnachtsgeschenk überhaupt, nämlich einem Buch.

Wer wie ich, das gebe ich unumwunden zu mit dieser Weihnachterei, seine liebe Mühe hat, dem verschreibe ich folgendes Buch:

Charles Lewinsky: Der Teufel in der Weihnachtsnacht
Taschenbuchausgabe, dtv Verlag, ISBN 978-3-423-21472-8

Ich verspreche, diese Lektüre ist böse und verschafft Linderung bei akuter Weihnachtsphobie.

Ich bedanke mich artig und wirklich von ganzem Herzen bei allen, die gerne lesen, was ich so von mir gebe. Und nun lasse ich alles liegen, lese und sage nur noch: “FEIERABEND!”

Manuela Hofstätter

Manuela Hofstätter

Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
Manuela Hofstätter
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