Aus dem Leben einer Buchhändlerin im Oktober

by Manuela Hofstätter on 24. Oktober 2013

Im Oktober sollte doch eine Buchhändlerin einfach an die Frankfurter Buchmesse reisen können. Nun, ich konnte leider erneut nicht, aber nächstes Jahr setzte ich alles daran, dass es einmal wieder klappt. Ich habe aber heute ein Paket mit einem Buch bekommen, auf dem ein von Hand beschrifteter Zettel mit folgenden Worten geklebt hat: “Hi Manu, für dich an der Buchmesse entdeckt”. Den einzelnen Buchstaben darunter, er stellt offenbar die Signatur dar, ich kann ihn nicht erkennen und zweifle, ist es ein F, ein P, oder doch ein A? Das Buch, es berührt mich auf Anhieb, ist etwas wirklich Aussergewöhnliches, im Buch ist eine Stelle markiert, poetische Zeilen treffen mitten in mein Herz, das Bild daneben, ein Bruch zu den Worten, es fasziniert und lässt mich verwundert zurück. Wer, wer bloss, hat mir dieses besondere Geschenk zugestellt? Ist es Zufall, dass mich jemand so zu kennen scheint, mich dermassen berührt? Dieses Rätseln, dieses Nicht-Wissen, es macht mich ganz kribbelig. In der Tat, Frühlingsgefühle im Herbst, zudem ein Gruss von der Frankfurter Buchmesse, heute ist ein guter Tag.

einbildgeschichten

Der Tag wird noch viel besser. Mit klopfendem Herzen wähle ich eine Telefonnummer, es ist die Nummer von Ruth Binde, ich habe die Biografie über diese Frau letztes Wochenende gelesen, und das Buch dann an einem Weiterbildungskurs für Bibliothekarinnen an der PHBern vorgestellt und gleich darauf hier auf lesefieber.ch besprochen. Und gestern, als ich im Bücherperron stand und meiner Arbeit als Buchhändlerin nachging, da hat Frau Binde versucht, mich zu Hause telefonisch zu erreichen. Allein diese Tatsache macht mich glücklich und jetzt hebt diese Frau am anderen Ende der Leitung den Hörer ab und ich spreche tatsächlich mit Frau Binde. Dieses Telefongespräch war einfach himmlisch, die einundachzigjährige Frau ist immer noch ein Feuerwerk an Geistreichigkeit, sie klingt jung, humorvoll, ehrlich und sie hat in der Tat etwas zu erzählen, besitzt aber auch die Fähigkeit, sich für mich kleine Buchhändlerin zu interessieren. Es ist ein Gespräch, welches mir noch viel mehr über diese faszinierende Frau verrät. Ich habe grosse Achtung vor Frau Binde, und doch fühlte es sich an, als habe ich mit einer Freundin ein intimes Gespräch geführt. Heute ist nicht nur ein guter Tag, heute ist ein grandioser Tag! Ich muss gestehen, der Oktober ist auch ohne Buchmesse ein fantastischer Monat für mich. Ich darf viel unterwegs sein und geniesse diese besonderen Momente. Die bereits erwähnte Veranstaltung an der PHBern stellte auch einen Höhepunkt dar, denn endlich, nach einem Jahr warten, war es wieder so weit, Seite an Seite mit dem absolut einzigartigem Urs Heinz Aerni arbeiten zu dürfen, was wirklich unbeschreiblich schön ist. Wir sind zwei Büchermenschen, zwei Kulturfreunde, wir könnten unterschiedlicher nicht sein und doch ist die Harmonie zwischen uns beim Arbeiten schlicht fantastisch. Ja, ich kann also nur schwärmen von diesem Oktober, da stresst mich nicht einmal die Tatsache, dass es in der Buchhandlung schon geheissen hat, wir müssten nun endlich die Weihnachtsbücher ausstellen. Das ist mir völlig egal, ich bin voll und ganz im Oktober und der steht ganz im Zeichen der Bücher. Ja, von wegen Bücher; ich hoffe doch ganz fest, dass der Schweizer Buchpreis an diesem Sonntag an Jonas Lüscher gehen wird, dann ist dies der perfekteste Oktober aller Zeiten!

Manuela Hofstätter

Manuela Hofstätter

Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
Manuela Hofstätter
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