Aus dem Leben einer Buchhändlerin im September

by Manuela Hofstätter on 26. September 2013

schlossdertraeumendenbuecherErstverkaufstage oder Erscheinungstage sehnlichst erwarteter Bücher sind eine feine Sache und bringen zusätzliche Spannung in den Berufsalltag einer Buchhändlerin. Leider aber manchmal auch Ärger. Besonderen Ärger dann, wenn so ein angekündigter und versprochener Termin dann aus irgendwelchen Gründen doch nach hinten verschoben wird und natürlich, nach Meinung des aufgebrachten Kunden, die Buchhändlerin schuld an der Misere hat. Nun hat mich ein so verlockender Erstverkaufstag voll erwischt. Eine Kundin hält mir einen Zettel hin, auf welchem steht, dass am 8. Oktober ein neues “Moerschen” erscheinen wird. Die fantastischen Werke rund um Zamonien von Walter Moers liebe ich, besonders diejenigen, welche sich rund um Bücher drehen und nun erfahre ich, dass in wenigen Tagen “Das Schloss der träumenden Bücher” in den Regalen stehen soll. Euphorisch merke ich natürlich gleich ein paar Exemplare vor, eines für mich eingerechnet. Mensch, wie konnte ich das verpassen?

Meine Kundin will das Buch verschenken, sie holt es am 8. Oktober ab, dies versichert sie mir mit Nachdruck. Ja klar, kein Problem, denke ich und weiss schon, was ich im Oktober lesen werde und die Vorfreude bereitet auch einer langjährigen Buchhändlerin ein wohliges Bauchgefühl. Ganz aufgekratzt teile ich diese Tatsache dann abends meinem Mann mit, dieser freut sich auch auf diesen Titel, das weiss ich ganz genau. Mein Mann ist mit den Jahren in buchhändlerischen Fragen beinahe schon ein Profi geworden und ch gebe unumwunden zu, dies nervt mich ab und an auch ein bisschen. Ha, aber den neuen Moers, den hat er nicht vor mir entdeckt, diesmal bin ich, so wie es sein sollte, seine Buchhändlerin des Vertrauens und werde ihn zamonisch überraschen.

Gerne würde ich diese Geschichte hier beenden, sehr gerne.

Nun, der Erscheinungstag vom “Schloss der träumenden Bücher” ist der 8. Oktober, aber Himmel, Arsch und Zwirn, es ist der 8. Oktober 2014. (In Worten: Zweitausendundvierzehn). Aufmerksam gemacht auf diese blamable Tatsache hat mich mit einer überlegenen Ruhe natürlich mein Mann. Mein lieber Knausrig-Verlag, was soll das verflixt noch mal? Der Blaubärtelsmann-Verlag hätte so was nicht über ein Jahr im Voraus angekündigt. Oder doch? Egal. So ein Mist. Die Kundin informieren, das ist die eine Sache, die persönliche Niederlage, darüber will ich hier gar nicht weiter darauf eingehen.

Gut, was lesen wir also bitteschön im Oktober? Ich empfehle den absolut spannenden Krimi “Wahlschlacht” von Markus Matzner, die Schweiz kurz vor Parlamentswahlen, dementsprechend grosse Aufregung im Fernsehstudio Leutschenbach, zwei Morde und offenbar ein geplanter Anschlag. Der Krimi ist wirklich grandios, der Autor schliesslich selber auch Produzent und Redakteur beim Fernsehen. Ja, und “Wahlschlacht” spielt gekonnt in der Zukunft, ich hätte also das “Moerschen” schon gelesen. Wer lieber im Hier und Jetzt bleiben und lesen mag, dem empfehle ich das für den Schweizer Buchpreis nominierte “Carambole” von Jens Steiner und wer es gerne böser und “very british” mag, der lese doch “Die nachhaltige Pflege von Holzböden” von Will Wiles. Grosse Gefühle findet der geneigte Leser im “Lavendelzimmer” von Nina George und wer jetzt noch immer kein Buch zum Lesen hat, der wende sich an die nächste Buchhandlung, wir sind gerne für Sie da und meistens kompetent.

Share on Pinterest
There are no images.
Share with your friends










Submit

{ 0 comments… add one now }

Leave a Comment