Aus dem Leben einer Buchhändlerin im April

by Manuela Hofstätter on 23. April 2013

readerDiesen Monat kann man mich recht häufig in anderen Geschäften antreffen, das ist wirklich recht selten, denn ausser bei Büchern und Lebensmitteln, bin ich nicht der Einkaufstyp. Aber kürzlich habe ich mich lustvoll neu eingekleidet, grün und blau, diese Farben mussten es sein. Ein knalliges, frisches und doch sattes Grün und ein strahlendes Blau, Hosen, Bluse und Schal und darunter Geblümtes um es gleich unverblümt auf den Punkt zu bringen. Ja, irgendwie, so sehr ich es auch dämlich finde über das Wetter zu schwadronieren, ich brauche zurzeit viel Farben, sehne mich nach Wärme, nach dem Frühling, der alles neu macht! Neu sind darum auch nicht nur ein paar Kleidungsstücke in meinem Schrank, nein, neu ist auch mein roter Sony Reader, ich habe mich endlich dazu durchgerungen, dass ich auch so ein Gerät meins nennen will, mein Mann hat bei diesem Entschluss sicherlich stark stimulierend auf mich eingewirkt. Nun mutet es sicherlich recht komisch an, wenn das Ehepaar Hofstätter einen seiner seltenen Kinderfeien Abende im Restaurant sitzt, ein Glas Wein vor sich und die Köpfe in ihren zwei verschiedenen Readern, kein Wort wechselnd, lange Zeit. Der Kellner war sichtlich gelöster, als wir dann beim Essen angeregt plauderten miteinander, mein Mann und ich. Aber eben, wie ist es jetzt, das Lesen auf dem Reader? Ich muss unumwunden gestehen, schlichtweg genial. Ich hätte nie geglaubt, dass ich so gerne und lang lesen würde, nun, ich habe schon mehrere E-Books gelesen, es warten bereits zahlreiche weitere auf meinem Gerät. Mein Reader hat keine Beleuchtung, das war mir wichtig, die Schrift ist gestochen scharf, und ich stelle fest, dass ich weniger ermüde beim Lesen, als dies etwa bei Taschenbüchern ist, welche so eng in der Schrift gesetzt sind, dass ich eben wirklich rasch angestrengt bin und gar einschlafe. Vermutlich bin ich einfach recht gealtert und darum bin ich jetzt stolz auf mein modernes Readerchen, niemand sieht, was ich gerade am Lesen bin und auch nicht, in welcher Schriftgrösse. Wobei ich jetzt hier auch gestehe, wie mich das unterwegs ärgert, wenn Leute so intensiv am Lesen sind und ich bei den Digital-Lesern auch durch körperlich manchmal schon recht auffällige Verrenkungen nicht mehr herausfinden kann, was mein Gegenüber denn gerade lesen tut. Ja, es hat eben alles zwei Seiten. Ich bin froh, kann ich nun besser Auskunft geben zum Thema E-Books und Reader, und ich werde noch viele Bücher so lesen, aber garantiert längst nicht alle. Ich unterscheide ja bei meinem Lesen so gerne in zwei Arten, konsumierendes Lesen und Hochgenusslesen. Bücher, welche ich verschlinge, aber eher nicht denke, sie ein zweites Mal lesen zu wollen oder sie im Bücherregal stehen zu haben, diese Bücher lese ich gerne auf meinem Reader. Diejenigen Bücher aber, welche ich auch wegen eines wundervollen Covers auswähle, oder eben alle meine Lieblingsbücher, die will ich in den Händen halten und dies wird immer so bleiben. Ich streichle das Papier, rieche manchmal am neuen Buch, drücke es an mich, bin begeistert, einen neuen Schatz an mich zu drücken. Also ist es wie so oft im Leben, die Mischung macht es aus, und beide Lesevarianten haben ihre Vorzüge. Also am Sonntagabend zack den heiss begehrten neuen Roman einfach innert Kürze herunterladen zu können, das hat schon was. Auf dem Nachttisch jetzt etwas mehr Platz zu haben und eine erlesenere Bücherauswahl zu erblicken ist auch entspannend und jetzt, wo in den Buchhandlungen so viele herrliche Neuerscheinungen stehen, da kriege ich glatt Lust, trotz allem sofort wieder zuzuschlagen, vielleicht finde ich ja guten Lesestoff zwischen grünen, blauen oder gar geblümten Covern?

Manuela Hofstätter

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Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
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