Aus dem Leben einer Buchhändlerin im Februar

by Manuela Hofstätter on 15. Februar 2013

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Sperrfrist

Ja, es hat nun schon ein paar Neuerscheinungen in den Regalen in unserer Buchhandlung, aber doch noch nicht so viele und noch nicht diejenigen welche, auf die ich inniglich warte. Diese Vorfreude auf die neuen Bücher ist fast so wie jene auf die ersten Zeichen des Frühlings. Wer hat ein neues Buch geschrieben, wann ist schon wieder der Erstverkaufstag davon und wem möchte ich unbedingt davon erzählen? Auf meinem Nachttisch stapeln sich Buchtitel, welche ich bereits lesen kann, welche aber noch nicht erschienen sind, diese Tatsache ist für mich nach wie vor etwas vom absolut Schönsten an meinem Beruf. Dieses süsse Vorrecht ein Buch gelesen haben zu können, bevor dies die grosse Meute tun kann. Umso mehr geniesse ich es auch etwa einer Kundin zu verkünden, dass es ein neues Buch von ihrem Lieblingsautor geben wird in ein paar Wochen und dass sie sich auf etwas freuen darf. Natürlich verrate ich nichts, bloss dass ich es schon lesen durfte und mein erfülltes Kopfnicken und Lächeln, macht dann oft wett, dass mein Gehalt wirklich viel zu klein ist. Ohne Jammern zu wollen, als Buchhändlerin verdient man einfach zu wenig. Aber vielleicht auch, weil das so ist, muss ich immer wieder herzhaft lachen, wenn Leute immer noch davon ausgehen, dass ich für meine Lesezeit bezahlt werde. Die einen meinen überzeugt, ich könne sicherlich während der Arbeitszeit in der Buchhandlung lesen, eine noch verrücktere Minderheit geht gar davon aus, dass ich die Lesestunden aufschreiben und abrechnen könne. Ha, ich wäre ja richtig reich, wäre dem so, und dass in letzter Zeit sogar meine Mittagspause nicht mehr ausreicht, um wenigstens in dieser ein paar Seiten zu lesen, das ist ja nun wirklich doof. Wegen Personalabbau, welchem wir zustimmen mussten, arbeite ich manchmal einfach am Mittag durch, gratis natürlich und freiwillig, ja wir sind so in dieser Branche, alles eifrige Idealisten. Es ist und bleibt ein fantastischer Beruf. Eine andere Frage, welche mir oft gestellt wird, die möchte ich gerne gleich hier beantworten, ich finde sie spannend und stelle sie auch oft anderen. Die Frage lautet: Wie wähle ich meine Bücher aus, nach welchen Kriterien? Die Antwort ist bei mir so:

Autoren, welche ich gerne habe, die lese ich meist sowieso, wenn sie ein neues Buch haben. Oft lese ich Bücher auch, weil sie mir eine Berufskollegin oder eine Kundin ans Herz gelegt hat. Manche Bücher, die wähle ich einfach aus, weil sie einen speziellen Titel haben oder, weil mir – und ich gebe, zu, das klingt etwas blöd – einfach ihr Cover gefällt. Ich habe sogar schon eine gute Krimiserie entdeckt, nur weil sie auf so herrlich samtenes Papier gedruckt ist, dass ich sie unbedingt fühlen und dann auch lesen wollte! (Es handelt sich um die Anne Gold Krimis mit “Kommissar Ferrari”). Dann gibt es da noch eine andere Variante, ich sollte gar nicht darüber schreiben, es könnte sie ruinieren, aber ich verrate es doch und hoffe es klappt trotzdem auch weiterhin. Ich liebe es, inkognito in andere Buchhandlungen zu gehen und mich als anspruchsvolle Kundin ausführlich beraten zu lassen. Ich nenne dann gerne Titel, die mir gefallen haben, und verlange etwas Ähnliches, oder ich frage schlicht nach dem Geheimtipp der Buchhändlerin. So habe ich schon grandiose Bücher entdeckt und zugleich kann ich ein bisschen Spionage betreiben und mich kritisch vergleichen mit der Konkurrenz, nicht um diese bloss zu stellen, sondern um mich zu verbessern allenfalls. Mensch, jetzt hab ich hier was offenbart, ich hoffe es rächt sich nicht, bitte behaltet das doch für Euch, o.k.? Wir haben in der Buchhandlung eine Ecke mit unseren Lieblingstiteln des Monats und jetzt sollte ich meine Tipps gerade neu abliefern und kam doch tatsächlich ins Schleudern, alles was ich neu gelesen habe, das ist noch nicht erschienen, verflixter Mist aber auch. Es könnte also sein, dass ich meine Inkognitotour in Kürze zur Anwendung bringe und einfach um einen Buchtipp bitten werde. Und das klingt dann in etwa so: “Guten Tag, ich hätte gerne eine Neuerscheinung, am liebsten von diesem Monat und ein grandioses Buch sollte es natürlich sowieso sein, können Sie mir da etwas empfehlen?”

Manuela Hofstätter

Manuela Hofstätter

Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
Manuela Hofstätter
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