Ein schönes Geschenk bitte !

by Manuela Hofstätter on 29. Dezember 2007

In diesen vorweihnachtlichen Tagen darf ich einige Bücher als Geschenke verpacken und ich freue mich immer sehr zu wissen, dass doch noch so viele Bücher verschenkt werden. Manchmal stelle ich mir auch vor, wo die Geschenke überall landen, unter geschmückten Bäumen in allerlei Haushalten, bei so vielen unterschiedlichen Menschen. Hoffnungsvoll denke ich auch an die Gesichter dieser beschenkten Menschen, im guten Falle, strahlen dann Augenpaare und Hände streichen begeistert über den Buchdeckel, schlagen sofort die Seiten auf und würden am liebsten sofort lesen. Im weniger guten Falle ertönt ein: “das hab ich schon das Buch” oder ein ehrliches “das Buch gefällt mir aber nicht”. Eigentlich ist das kein Problem, denn wir tauschen die Bücher ja um. Aber im schlechten Falle, wird das geschenkte Buch ausgepackt, die Augenpaare würden sich ganz kurz verraten, aber da verkünden schon Worte des Dankes, dass alles seine Ordnung habe. Mitnichten, das Buch landet im Regal, oder wo auch immer, das will ich mir gar nicht vorstellen, der Beschenkte wird es nie lesen, im schlimmsten der Fälle nicht einmal weitergeben. Das schmerzt mein Herz! Aber nun bin ich abgeschweift.

Ich packe also einige Geschenke ein in diesen Tagen, manchmal tue ich dies sogar noch Nachts im Schlaf, aber so ist das eben im Dezember als Buchhändlerin und dass ist eigentlich ein grosses Glück.

Trotzdem nervt mich das folgende Beispiel eines Kundengespräches immer noch:

Ich: “Darf ich Ihnen das Buch verpacken, ist es ein Weihnachtsgeschenk?”
Kunde: “Ja, ein schönes Geschenk bitte.”

Mensch, denken die etwa, wir packen auch hässlich ein? Hmmmm, wobei, könnte ja eine Marktlücke sein, die hässliche Verpackung, für den ungeliebten Vorgesetzten oder so…
Aber nun schweife ich schon wieder ab, also weiter:

Kunde in leicht wichtigtuerischer Tonart: “Aber bitte nehmen Sie mir den Preis raus!”
Ich um Fassung ringend, aber professionell freundlich: “Aber natürlich !”

Denkt der ich bin blöd, ich packe hier seit über zehn Jahren Bücher ein und oh Wunder, das war mir von Anfang an klar. Also wirklich, dass verletzt mich dann schon jeweils etwas und ich hege einen kleinen Groll in mir.

Aber, um ehrlich zu bleiben, so ein, zweimal im Jahr, leider dann oft bei echten Lieblingskunden, eben auch, weil man ins Gespräch mit ihnen angeregt vertieft ist, vergesse ich den Preis zu entfernen. Zum Glück merken wir das immer, denn beim Eingeben des Preises in die Kasse fehlt dann eben besagter und tummelt sich schändlicherweise noch im geschenkverpackten Buch, der schlimme Lümmel der! Ich finde das aber dann schon hochnotpeinlich und mit errötetem Gesicht fummle ich dann jeweils das Geschenk auf um von vorne zu beginnen, mit den entschuldigenden Worten, dass mir das eigentlich nie passiert. Echt doof nenne ich das!

Fazit: Und das ist eigentlich ein wirklich schönes Geschenk: Wir sind alle nur Menschen, Kunden und Buchhändler.. beruhigend nicht wahr?

Manuela Hofstätter

Manuela Hofstätter

Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
Manuela Hofstätter

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1 Markus Dezember 23, 2010 um 21:46 Uhr

“Wenn wir keine Fehler hätten, dann würden wir nicht so viel Vergnügen daran finden, solche bei anderen zu entdecken.”

La Rochefoucauld

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