(Herz-) Schulden

by Manuela Hofstätter on 29. September 2007

Kennen Sie das? Ein Schlechtes Gewissen plagt das Herz und je länger wir es ignorieren, desto schlimmer wird es. Ich nenne das eine Herz-Schuld. Aber nun der Reihe nach.

Ein Hoch auf Alex Capus, momentan ist er ja in aller Munde, dieser beliebte Schweizer Autor. Auch über die Landesgrenzen hinaus. Sogar die Grande Dame des Lesens, Elke Heidenreich hat sein Buch in ihrer Sendung im ZDF empfohlen. Also habe ich es sogar bei dieser meiner geliebten Sendung “Lesen” mit Gewissensbissen zu tun bekommen. Aber auch meine leichte Wochenlektüre, welche ich immer genüsslich lese, die “Schweizer Familie”, beschert mir nicht mehr unproblematische Kost. Denn zur Zeit ist dort eine Serie zu lesen von Capus über das Leben der armen Bernerin die dann die berühmte Madame Tussaud wurde. Eigentlich ungemein spannend, aber mir wird leider unwohl wenn ich mir das anschaue. Ich habe üble Träume derweilen auch von diesem Mann, dem Herrn Capus. Dabei ist es durchaus ein attraktiver Mann dieser Alex, man oder eben konkret Frau könnte gewiss auch schön von ihm träumen, bloss ich nicht, weil da eben diese gewisse Sache ist. Aufgewacht fühle ich mich also wie gerädert, ein böses Ziehen ist in meiner Brust und Gedankenrattern in meinem Kopf. Ich frage mich, bin ich ein schlechter Mensch? Dabei bin ich doch bloss eine begeisterte Buchhändlerin, ein hilfsbereites Wesen, trübe kaum ein Wässerchen, zumindest keines, welches man sieht. Keinesfalls reich bin ich, also in finanzieller Hinsicht nicht, so meine ich das, nur zum klar stellen hier. Denn eigentlich betrachte ich mich als unendlich reiche Frau. Es gibt so viele gute Bücher um mich herum, so viele gute Begegnungen mit Menschen in meinem Leben, stehts gute Speisen und Trank, einen liebevollen Mann noch dazu, ich bin reich! Zu allem Überfluss wohne ich auch noch so wundervoll mit Seesicht und Blick auf das berühmte Bergdreigestirn Eiger, Mönch und Jungfrau…

Au weh, das ist es wieder, es gibt kein Entrinnen, es holt mich immer wieder ein, die Last der Schuld, der Schuld gegenüber dem gutmütigen Herrn Capus. Was habe ich nur getan, oder eben nicht getan? Nun erinnern mich diese drei Berge immer und immer wieder an mein widerwärtiges, verwerfliches Verhalten. Wenn ich vielleicht wenigsten Capus neues Buch bereits gelesen hätte, dann könnte ich mich etwas besser fühlen, zumindest ein ganz klein wenig. Aber nein, nicht einmal dass kriege ich auf die Reihe, solange ich nicht eine Lösung finde. Muss ich wohl mein Abonnement der “Schweizer Familie” kündigen, den Beruf wechseln um nicht mehr über diesen Autorennamen zu stolpern? Umziehen, um nicht mehr diesem Dreigestirn ausgeliefert zu sein, welches mir wie ein anklagendes Monument erscheint, ja ein riesiges Mahnmal vor der Haustüre, welches mir immer zuflüstert schuldig zu sein.

Nein, ich glaube, es ist an der Zeit auf den Boden zu kommen, die Hysterie und Übertreibung, welche mich so gerne befallen abzulegen und zu handeln. Als erstes zeichne ich nun hier die Wahrheit auf, sie ist nämlich vielmehr peinlich als so schwer lastend wie sie manchmal nach mir greift. Also, vor vier Jahren, oh wie gut, ich lasse wenigstens die Verjährung der Sache nicht zu, war Alex Capus in Spiez in der Bibliothek und gab dort eine Lesung. Ach weh, es befällt mich schon fast wieder, denn ich weiss nicht einmal mehr um welches seiner Bücher es sich damals drehte. Aber natürlich war ich auch dort und freute mich riesig mit dem Autor ein paar Worte wechseln zu dürfen und eine Unterschrift von ihm zu erobern. Signiert hat er mir mein Lieblingsbuch, es handelt sich dabei um ein Bändchen mit Kurzgeschichten. Und nun passen Sie gut auf, denn das Bändchen, welches leider im Buchhandel offiziell bereits vergriffen war heisst: Eigermönchundjungfrau. Auf diesen Verlust im Verkauf machte ich ihn also aufmerksam und er verkündete strahlend, er habe schon noch von diesen raren Exemplaren, sogar mit dabei in Spiez. Au, da lachte mein Händlerherz und gerne nahm ich drei dieser Bücher entgegen. Ganz unkompliziert händigte mir Alex Capus die Bücher aus, mit einem lustigen Vermerk auf einer Karte, ihm doch bitte diese Schuld von günstigen je 10.- Franken pro Band einfach in einen Briefumschlag zu stecken und ihm zuzusenden. Ich weiss noch, ich fand das so lieb von ihm. In der Buchhandlung waren seine Bücher bald verkauft. Allerdings fiel mir etwa ein gutes Jahr später erst Capus Karte wieder in die Hände. Siedend heiss durchfuhr es mich, dass ich den Autor um sein Geld betrogen habe. Die Karte verschwand ihrerseits wieder spurlos und ich vergass mein blamables Verhalten erneut. Ja und es verging wieder viel viel Zeit, aber jetzt holt es mich täglich ein. Nein, es ist nicht wegen der 30.- Franken, es ist so schrecklich, weil ich einfach nicht so bin und es auch nie sein will, also handle ich. Ich sende nun also Alex Capus sein Geld mit irgend einem süssen Zinseszins und bitte ihn um Verzeihung. Vielleicht liest er ja auch einmal diesen Text und kann darüber schmunzeln. Mögen sie mir wieder wohl gesinnt sein lieber Herr Capus!

Und Sie, haben sie ein kleines Bisschen Mitleid mit mir und verzeihen mir, dass ich ihnen etwas Zeit geraubt habe. Aber vergessen sie nicht, es können Kleinigkeiten von Verfehlungen sein, welche Ihnen das Leben enorm schwer machen können und darum geben sie acht darauf, was sie tun oder viel mehr darauf, was sie nicht tun. Nehmen Sie sich Zeit für die wirklich wichtigen Dinge im Leben. So wie ich, ich habe nun wieder ein fröhliches Herz, erfreue mich am Leben und werde den neuen Roman von Capus geniessen, vielleicht mit Blick auf die Berge ?!

Manuela Hofstätter

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Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
Manuela Hofstätter

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