Agota Kristof / Die Analphabetin

by Manuela Hofstätter on 15. April 2006

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Als ganz kleines Mädchen kann Agota bereits gut Lesen, alles was geschrieben ist, zieht sie magisch an, sie liest, was sie kriegen kann. Agotas Vater ist Lehrer, sie schleicht sich immer in seinen Unterricht, das ärmliche Dorf in Ungarn hat nur diesen Lehrer, er unterrichtet alle Klassen in einem Raum. Sie wird weggegeben in ein strenges Internat, auch dort ist es ein karges Leben, doch sie schreibt und schreibt, und sie liest und liest, das lässt sie alles ertragen und schenkt ihr eine eigene reife Meinung. So erlebt sie dann Stalins Tod, in der Schule gibt es eine Schweigeminute, wenn die Glocken elf Uhr schlagen, alle Mädchen standen schon stramm, doch es war bloss die Müllglocke, Agotas Herz lacht über diesen passenden Vergleich. Später, als junge Frau, flüchtet sie mit Mann und Baby nach Österreich. Schliesslich nimmt die Schweiz die Familie auf, man ist freundlich zu ihnen, doch Agota ist traurig, denn hier ist sie zur Analphabetin geworden. Doch bald erobert sie die französische Sprache, schreibt Theaterstücke und wird bald auch aufgeführt.

Fazit
Ein Leben auf ein paar Seiten gebannt, doch es gelingt der Autorin gut. Sie zeigt uns auf, was es heisst, Schriftstellerin zu sein, nie aufgeben. Sei es sogar in einer neuen Sprache Heimat finden zu müssen und in dieser dann zu Schreiben. Zurück bleibt aber eine gewisse Melancholie, Kristof denkt an die Heimat zurück und das wäre Glück gewesen… Aber eben, zu welchem Preis?

Meine Wertung: 6/10

Agota Kristof / Die Analphabetin
Verlag: Ammann, Seiten: 75

Manuela Hofstätter

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Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
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