Åke Edwardson / Die Schwalben fliegen so hoch, dass man sie kaum sehen kann

by Manuela Hofstätter on 23. Februar 2017

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Johan, Ann und ihr neunjähriger Sohn Andreas leben in der Wildnis Südschwedens, viel Wald, Elche und ein kleines Dorf bedeuten für sie Heimat. Aber dann tobt ein aussergewöhnlich schlimmer Frühlingssturm und zerstört viele Bäume wie auch das gewohnte Leben dieser kleinen Familie. Andreas, der sich nie vor etwas gefürchtet hat, schon gar nicht vor dem Wald, liegt unter einem Baum, er wird sofort ins Spital gebracht und liegt nun dort im Koma. Das Paar entfernt sich im Schock voneinander, aber auch Freunde wissen kaum, was sie sagen sollen. Ann fährt jeden Tag zu Andreas ins Spital, sie erzählt ihm Witze, Andreas liebt Witze, er wusste immer die ekligsten zu erzählen. Johan tut sich schwerer damit, mit seinem Sohn zu sprechen, ihn führt seine Trauer immer wieder zu der Stelle im Wald, wo das Unfassbare geschehen ist. Aber immer wieder finden Ann und Johan Wege zueinander, der Schock legt tief Verschüttetes in ihnen frei, sie müssen mit so vielem umgehen lernen. Die Monate ziehen dahin, sie massieren die Muskulatur ihres Sohnes, werden fast verrückt, während der heisseste Sommer seit Ewigkeiten alle schwitzen lässt. Johan kann nur auf seinen zerstörten Wald blicken und seine Arbeitslosigkeit passt zur Situation, er hat schon komische Visionen plötzlich und fragt sich, ob diese mit seinem alten Alkoholproblem zusammenhängen könnten. Ann hat tosende Geräusche im Kopf, nie ist es still in ihr drinnen, aber es gibt Momente, da rastet sie aus, da gehen sie als Paar aufeinander los, um dann gerade noch rechtzeitig inne zu halten und sogar gemeinsam Lachen zu können. Johan und Ann haben alles Recht der Welt komisch zu sein, so zu sein, wie auch immer ihnen zumute ist, zu schreien, komisch zu reagieren, was auch immer. Schliesslich verändern sich einige Ihrer Bekannten auch, die Vergänglichkeit und das Unglück scheinen bei den Menschen etwas aufzuwirbeln. Der Pfarrer nimmt seine Berufung wahr, alte Freunde versuchen, sich ihren Dämonen zu stellen, Johan will ein Projekt angehen, welches ihnen Arbeit und Geld einbringen soll. Elchsafaris für die Deutschen oder auch andere Touristen. Während sie an Andreas Bett von ihren Plänen erzählen, fragen sich einige Leute schon, ob es nicht besser wäre, Andreas gehen zu lassen. Aber Ann und Johan und Andreas müssen über ihre Zukunft entscheiden und sie haben ihren eigenen Weg.

Fazit: Von Verlusten, der Hoffnung und der Liebe!
Sehr nahe geht uns die Gefühlslage dieses Ehepaares, wir erhalten tiefen Einblick in die Situation, wie mit einem Schock umgegangen wird, wie sich ein Paar, ja fast ein ganzes Dorf nach einer Naturkatastrophe und einem tragischen Unglück zu erholen versucht. Der Sturm hat nicht nur die Bäume entwurzelt, auch die Menschen scheinen durch den Wind zu sein. Aber die Natur und die Menschen sind zäh, die Hoffnung und die Liebe sind starke Faktoren und der Humor kann in der dunkelsten Stunde aufleuchten. Ein besonderer Roman, sehr einfühlsam geschrieben!

Meine Wertung: 7/10

Åke Edwardson / Die Schwalben fliegen so hoch, dass man sie kaum sehen kann
Verlag: Ullstein, Seiten: 336

Manuela Hofstätter

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Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
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