Akos Molnar / Zwölf Schritte

by Manuela Hofstätter on 9. Dezember 2007

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Wir sind im Berlin der dreissiger Jahre. Helga, die fast überirdische Helga, ist tatsächlich Tittelbachs Liebste geworden. Er Tittelbach, bloss Lehrer, allerdings geachtet und sogar von seinen Schülern geliebt, kann sein Glück kaum fassen. Er hatte bis anhin einige Liebschaften, aber nie dieses eine grosse edle, starke und auch einzigartige Gefühl der Liebe erfahren, und es ist eine unermesslich grosse Liebe, die Liebe Helga und ihn verbindet. So nimmt sich Tittelbach denn auch fast väterlich seinem Schüler und eben Helgas jüngerem Bruder an, denn der ärmste hat ja sonst niemanden mehr. Natürlich schmerzt und ärgert es Tittelbach auch ausserordentlich, wenn seine Helga sich über etwas ärgern muss. Helga ärgert sich nämlich über die frechen, faulen und nichtsnutzigen Dienstmädchen, welchen sie immer wieder kündigen muss, doch dann findet sie Grete. Grete, von stämmiger grober Statur und stets mit  einem Lachen im roten und bauernhaf anmutenden Gesicht ist der Fleiss in Person. Sie scheint zum dienen geboren zu sein und nimmt Helga einfach alles ab, ohne, dass diese sie immer auf die anfallenden Arbeiten hinweisen muss. So kehrt Ruhe und vollendetes Glück ein in Helgas Haus, Tittelbach nimmt es selig wahr und weiss, es gibt nur ein klitzekleines Ding zwischen ihm und seiner Liebsten, das nicht ganz harmonisch ist, die Frage des Heiratens, Tittelbach ist kein Freund der Ehe, die kluge Helga, drängt ihn nicht, ist sich aber ihrer Sache ganz sicher. Es kehrt etwas Unruhe ein im Haus, als sich herausstellt, dass Helgas Bruder Egon in flammender Leidenschaft und Liebe zum Dienstmädchen Grete entbrannt ist. Grete wiederum gibt dessen werben keinesfalls nach, sie hebt sich auf in jungfräulicher Unschuld und gesteht, dass ihr Herz einem Anderen gehöre, dieser aber von nichts wisse. Tittelbach, der bis jetzt immer alle Fäden geschickt leitete und in der Hand hielt, fällt nach diesem Wissen völlig ins Dilemma. Er ist nämlich selbst völlig verrückt nach Grete, seit sie ihm in seinem Rücken zum ersten Mal Mantel und Hut abgenommen hat, bekommt er sie nicht mehr aus dem Kopf, ist sich aber auch bewusst, dass sein Begehren völlig unmöglich ist. Natürlich liebt er ja auch seine Helga. Aber nun, da er weiss, dass Grete führ ihn dasselbe empfindet und in ihrer Art und Weise eigentlich genau so edlen Herzens ist, ja wirklich ganz ähnlich wie Helga, da beginnt alles aus dem Ruder zu laufen…

Fazit
Dieser Roman von Akos Molnar erschien in ungarisch 1933 und wurde nun erstmals ins Deutsche übersetzt. Molnar und seine Frau wurden 1945 erschossen. Diese Geschichte einer Vierecksbeziehung, ist eine Geschichte vom Verlangen und der Sehnsucht. Dramatisch kann sich entballen, was man versucht zu unterdrücken, und dass hat sich gewiss bis Heute nicht geändert und das wird  auch immer so bleiben. Ich finde dies ist ein absolut herausragendes Stück Literatur und es ist schön, dass wir nun eine solche Perle übersetzt bekommen haben. Lesen und spüren, dass das Verlangen in uns allen schlummert!

Meine Wertung: 9/10

Akos Molnar / Zwölf Schritte
Verlag: Piper, Seiten: 301

Manuela Hofstätter

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Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
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