Albert Sanchez Pinol / Pandora im Kongo

by Manuela Hofstätter on 29. August 2007

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1914 ist Thomas Thomson machtloser Pazifist und eher mittelmässiger Schriftsteller, ein Ghostwriter um es genau zu sagen, in einer ziemlich traurigen Situation. Eine unglückliche Verkettung von tragischen Zufällen hat ihn arbeitslos gemacht. Die komische Pension in welcher der Jüngling wohnt, macht die Lage nicht besser, aber immerhin auch nicht schlechter. Mit im Hause lebten nämlich ein laut furzender aber liebenswerter rauher Schotte, die Besitzerin, die ungeliebte Miss Pinkerton und ihre ekelhafte Schildkröte Marie Antoinette. Marie Antoinette und Thomson hassen sich so sehr, wie dies eine Schildkröte und ein Mensch nur tun können, übrigens ist Marie Antoinette eine Kröte ohne Schild, dies macht sie noch hässlicher. Doch weitere bedenkliche Verkettungen bringen Thomson wieder zu einem Job. Er wird von einem edlen Anwalt beauftragt das Leben des Häftlings Garveys aufzuschreiben, mit dem hoffnungsvollen Ziel, den armen Unschuldigen vielleicht doch noch von der Todesstrafe bewahren zu können. Angeblich soll dieser kleine Mann mit den sanften grünen Augen bei einer Expedition im Kongo zwei Engländer, erschossen haben. Thomson gerät durch Garveys Erzählungen in den Sog einer ganz und gar unglaublichen Geschichte hinein, wird aber somit auch zum absolut fanatischen Gläubigen von Garveys Unschuld. Im Kongo haben sich unglaubliche Dinge zugetragen bei dieser Goldgräberexpedition, plötzlich tauchten dort Wesen auf, Tektoner, aus der Mine kamen sie, aus der Unterwelt und gewiss bedeuteten sie eine Bedrohung für die Menschheit. Aber mit den Tektonern begann auch eine sagenhafte Liebesgeschichte, und nur durch grosses Heldentum und Opferung der grossen Liebe konnte die Menschheit gerettet werden. Garvey ist ein wahrer Held und als Thomsons Buch erscheint, ist der Häftling auch bald frei und Thomson ein gefeierter Autor. Wären da nicht Fragen von guten Freunden, und die grosse Sehnsucht nach der absoluten schlüssigen Wahrheit im Herzen des Autoren Thomson, dann wäre die Geschichte hier nun im Besten beendet. Aber das ist sie ganz und gar nicht …

Fazit
Pinols Roman “Im Rausch der Stille” war für mich eine echte Sensation, um so neugieriger stürzte ich mich auf dieses neue Werk. Plötzlich sah ich  genau gleichen Szenen wie im vorhergehenden Roman, ein weibliches Wesen anderer Art und Sprache, zwei Männer die es lieben. Kämpfe, Blut und noch mehr Kämpfe. Nein dachte ich, nur dass nicht, der Roman hat doch derart gut angefangen. Zum grossen Glück liess mich der Sog dieses grossen Erzählers nicht los und ich las zu Ende. Doch, ich bin wiederum überrascht, ein geniales Buch, bloss eben, diese ähnliche Szenerie, die dürfte um einiges kürzer ausfallen für mich.
Albert Sanchez Pinol ist dieses Jahr Ehrengast an der Frankfurter Buchmesse, welche dieses Jahr ja unter dem Zeichen der Katalanischen Kultur steht.

Meine Wertung: 8/10

Albert Sanchez Pinol / Pandora im Kongo
Verlag: S. Fischer, Seiten: 478

Manuela Hofstätter

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Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
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