Alexander Sury / Ruth Binde. Ein Leben für die Literatur

by Manuela Hofstätter on 22. Oktober 2013

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Dies ist die Lebens- und Schaffensgeschichte von Ruth Binde, einer aussergewöhnlichen Frau. Ruth Schwarz kommt 1932 in Bern zur Welt, ihr Vater ist Publizist und Verleger. Fritz Schwarz und seine Frau Elly Schwarz-Glaser bieten ein Elternhaus, das natürlich von der Liebe zum Buch, der Literatur, der Kunst und der Politik geprägt ist. Schon als junges Mädchen sammelt Ruth autografisches, träumt davon, Schauspielerin zu werden und teilt dies ein paar Jahre später einem Bekannten unterwegs stolz mit, schliesslich erklärte dieser Dimitri ihr auch selbstbewusst, er werde ein Clown werden. Ruths Weg wird ein anderer, ihr Talent zum Schreiben führt bald zu ersten Arbeiten als Korrektorin. Ein Welschland- und ein Englandaufenthalt geben weitere wertvolle Impulse, danach erfolgt dann die Ausbildung zur Buchhändlerin in Zürich. Im Anschluss daran arbeitet Ruth in der elterlichen Buchhandlung in Bern, später folgen Arbeitsplätze in Deutschland. Dort lernt Ruth ihre erste grosse Liebe kennen und wird zur Ruth Binde und bald darauf auch Mutter. Doch schon bald ist Ruth Binde alleinerziehende Mutter und arbeitet im kleinen, noch völlig unbekannten Diogenes Verlag. Was Frau Binde dort aufbaut und leistet, ist grandios. Doch Ruth Binde ist eine geradlinige Person, empfindet sie etwas als ungerecht, dann handelt sie couragiert und was sie anpackt das wird gut. Es folgt ein Leben, wie es sich in kulturell schaffender Weise kein vergleichbares findet in der Schweiz. Ruth Binde steht für Kultur und Literatur ein, wie dies kaum jemand tut. Als Presseagentin und Vermittlerin legt sie zuweilen eine Hartnäckigkeit an den Tag, welche bald legendär ist. Aber ihr Name ist auch bald ein verlässlicher Wert. Schweizkorrespondentin für das Börsenblatt des Deutschen Buchhandels, Gründerin des Bernhard-Littéraire sowie viele weitere, erstaunliche Leistungen zählen zu Ruth Bindes Schaffen. Welche Kraft, welcher Wille und welches Durchhaltevermögen wir in diesem Leben ausmachen, das ist tief zu bewundern. Ruth Binde scheute nie den Konflikt, wenn er denn sein musste, stand immer zu ihrer linken politischen Gesinnung und ist offenbar noch heute, im Alter von einundachtzig Jahren, eine vitale, unermüdliche Frau und Gastgeberin. Die bekannten Binde-Feste waren ein Stelldichein der berühmtesten Autoren, Künstler und Journalisten.

Ruth Binde. Ordner mit Autografen

Fazit: Welch eine Frau, was für ein Leben!
Alexander Sury hat diese Biografie so einfühlsam und stark geschrieben, dass sie dieser grandiosen Frau gerecht wird. Ich habe dieses Buch in einem Tag verschlungen. Ich, die ich Biografien nicht mag, weil mich die offensichtlich wichtigen Menschen meist langweilen. Über Ruth Binde wusste ich zuvor wenig, ein fataler Fehler, ich bewundere diese Frau grenzenlos. Ein starkes Frauenbild, eine Kämpferin für die Literatur und Kunst. Ach, hätten wir bloss heute eine vergleichbare Frau im Schweizer Literaturbetrieb, es sähe sicher so manches ganz anders aus. Es ist ein Geschenk, dieses Buch zu lesen und besonders Freude hatte ich auch an den Kunstwerken, welche Loriot, Sempé und Paul Flora Ruth Binde gemalt haben und die man durch dieses Buch nun auch bewundern darf. Seit einem Jahr ist die umfangreiche Autografensammlung von Ruth Binde im Schweizerischen Literaturarchiv in Bern zu bestaunen.

Meine Wertung: 8/10

Alexander Sury / Ruth Binde. Ein Leben für die Literatur
Verlag: Wörterseh, Seiten: 209

Manuela Hofstätter

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Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
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