Amélie Nothomb / Den Vater töten

by Manuela Hofstätter on 7. Juni 2012

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Norman und Christina sind ein Künstlerpaar, sie Feuertänzerin, er Magier, ihre Liebe ist kostbar und bislang kinderlos. Joe ist ein junger Trickkünstler, der seinen Vater nicht kennt und dessen Mutter sich schliesslich für ihren Lover und gegen ihren Sohn entschieden hat. Joe erhält die Chance seines Lebens, er wird dem bekannten und geachteten grossen Magier Norman empfohlen, um bei ihm zu lernen und tatsächlich ist dieser von Joes Können beeindruckt und Joes Wurzellosigkeit rührt Normens väterliche Gefühle an. Christina reagiert auch voller Freude auf Joe und bald leben sie wie eine richtige Familie. Norman bildet Joe aus und staunt über dessen Talent, seine Gefühle sind meistens Stolz und Freude, selten Unbehagen. Als Jüngling bringt Joe lange Zeit seiner Wahlmutter Christina Blumensträusse, aber leider nicht aus Mutterliebe, sondern wegen seines erwachten Begehrens Christina gegenüber, er interessiert sich nie für Mädchen, er arbeitet nur auf ein Ziel hin, Christinas Herz zu erobern, sie soll seine Frau sein, er will Norman ausschalten. Tatsächlich bekommt er Christinas Körper, die Umstände die dazu führten sind tragisch, sind Joes Geschäft, beruhen auf Betrug. Aber so wie es sich Joe erträumt, so kommt die Geschichte nicht in Gang, Christina und Normans Liebe ist etwas Einzigartiges, genauso wie ihre Liebe zu ihm, zu Joe, welchen sie wirklich wie einen richtigen Sohn aufrichtig lieben, Norman erkennt das verwerfliche Wesen in Joe, seine Absicht, die keine gute ist, aber er hat ein Vaterherz und findet immer edle Erklärungen für das Verhalten seines Sohnes. Joe geht seinen eigenen Weg, verlässt abrupt sein erobertes Heim. Die berufliche Laufbahn, welche Joe einschlägt, macht Christina und Normen Sorgen, viel Geld und der völlige Kontaktabbruch von Joe machen ihnen die Herzen schwer. Es kommt, wie es Norman befürchtet, hat Joe stolpert und Normen leidet, aber das Leiden eines richtigen Vaters, das ist unermesslich, unermesslicher noch als der Hass des Sohnes.

Fazit: Magische Finger zum Glück?
Welch eigenartige Geschichte, Nothomb bringt völlig Fremdes näher und zeigt darin das ganz alt Vertraute um so beeindruckender auf. Diese kurze Geschichte vermag einen Nachhall zu hinterlassen, selbst wenn sie etwas konstruiert erscheint. Ein gekonntes Konstrukt!

Meine Wertung: 6/10

Amélie Nothomb / Den Vater töten
Verlag: Diogenes, Seiten: 121

Manuela Hofstätter

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Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
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