Andreas Minder & Robert Brügger (Fotografien) / Von Menschen und Bäumen

by Manuela Hofstätter on 3. August 2018

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Manche Menschen setzen einen Baum, wenn ein Kind geboren wird, viele Menschen wünschen sich als letzte Ruhestätte einen Baum. Bäume sind Leben, sie könnten viele Geschichten erzählen, so auch die Bäume der Stadt Bern. Da gibt es etwa eine Birke, sie hätte weichen müssen, zum Zwecke des Hochwasserschutzes, doch es stellte sich eine Frau quer, sie tat dies mit Feingefühl und so spannten die Fachleute mit ihr und anderen zusammen, die Birke ist noch da, seit gut 50 Jahren, sie ist 16 Meter hoch und wird von dem Menschen in der Gasse heiss geliebt. Natürlich gibt es weitaus ältere Bäume, sie zeugen von länderübergreifenden Freundschaften und Verbindungen. Die Blutbuchen waren 1853 der neuste Trend in der Schweiz und auch wegen ihrer eben blutroten Blättern Grund für manche Schauermärchen. Vor dem Rosengarten steht der Ahorn, den der ehemalige und inzwischen traurigerweise verstorbene Stadtpräsident Alexander Tschäppät für seine Amtsjahre erhalten hat. Er durfte der Freude über seinen Baum und seine Achtung gegenüber den Bäumen in diesem Buch noch Ausdruck verleihen. Weder zu den Laub- noch zu den Nadelbäumen gehört der Ginkgobaum, auch ihn findet man in Bern. Elisabeth Held, eine 82-jährige Dame, kennt man bestens im botanischen Garten in Bern, man hat ihr die Gravensteiner Äpfel geschenkt, da sie diese so liebt, wohl die treuste Besucherin des Gartens ist und es sich nicht nehmen lässt, den Arbeitern ab und zu ihren leckeren Apfelkuchen zu backen und zum Znüni vorbeizubringen. Die allerersten Berner Rosen überhaupt reiften gegen Ende des 19. Jahrhunderts in einem Privatgarten in Oppligen, sie waren ein eigenwilliger Zufall, wurden aber erkannt und gehören heute zur einer der beliebtesten Apfelsorten der Schweiz. Das Totalreservat Aareufer Bremgartenwald, das an den Wohlensee grenzt, ist ein wichtiger Lebensraum für viele Tier- und Pflanzenarten und ein märchenhaftes Sujet für Fotografen. Die 150-jährige Sommerlinde auf dem Lentulushubel wurde um 1786 zur Grabstätte eines wohlverdienten Generals. Kennen Sie den Davidia involukrata? Einen können sie vor der Universität Bern bewundern, elf weitere auf dem Friedhof Bümpliz sowie zwei auf der Grossen Schanze. Eine Hainbuche spendet als Seelchenbaum denen Trost, die Trauern und Robinien beeindrucken mit ihrer Rüstigkeit und ihren tiefen Furchen. Bäume, die nicht mehr sind, dürfen manchmal sogar als Kunstwerk weiterexistieren, wie die Esche von der Papiermühlestrasse. In diesem Buch leben sie nun auch verewigt weiter, ein feines Geschenkbuch, finde ich.

Fazit: Berns bäumige Seiten!
Dieser Band bereitet viel Freude, Bern hat eine immense Baumfläche und diese hält so einige Geschichten bereit, Bäume und Wald als Nutzfläche, Erholungsraum, Trost, soziale Verbindungen, historische Begebenheiten, eine riesige Vielfalt ist da für uns zusammengetragen worden und auch die Fotografien fehlen nicht. Der Rekordsommer 2018 ist eine Gefahr für die Baumbestände und wie gerne legen wir uns in den Baumschatten in diesen Hitzetagen. Bäume sind in der Tat etwas vom Wichtigsten überhaupt, Sie kennen da bestimmt auch die eine oder andere Baumgeschichte, oder?

Meine Wertung: 8/10

Andreas Minder / Fotografien Robert Brügger / Von Menschen und Bäumen
Berner Baumgeschichten
Verlag: Stämpfli, Seiten: 143

Manuela Hofstätter

Manuela Hofstätter

Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
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