Anna Hope / Abgesang

by Manuela Hofstätter on 10. November 2014

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Wir schreiben das Jahr 1920, es wird kälter, der Herbst zieht ein in London und es rückt der grosse Tag einer ganz besonderen Bestattung heran. England hat zum ersten Mal in seiner Geschichte einen unbekannten Soldaten in Frankreich exhumieren lassen und dieser namenlose Soldat soll nun mit grossem Prozedere in der Westminster Abbey beigesetzt werden und an die unzähligen Kriegsopfer erinnern. Drei Frauen bewegt der vergangene Krieg nachhaltig, wie wird diese Bestattung für sie werden? Hattie ist süsse achtzehn Jahre alt, sie arbeitet als Tänzerin im Palais, eigentlich dürstet es sie nach dem Leben, Abenteuern und Liebe, aber ihre Gefühle werden oft brüsk gebremst von ihrem Zuhause. Ihr Bruder leidet an einem Kriegstrauma und Hattie muss auch erfahren, dass die Männer und die ganze Stadt noch leidet. Lady Evelyn hat dieser Krieg den Mann gekostet, sie hat resigniert und arbeitet beim Amt, wo sie über die Rentenvergaben an kriegsversehrte Soldaten entscheidet. Aber Evelyn hat eigentlich eine grosse Leidenschaft, das Tanzen. Ada hat in der Schlacht an der Somme ihren achtzehnjährigen Sohn verloren, eine nüchterne Todesnachricht erreichte sie vom Amt. Ada weiss, dass viele andere Leute ausführlichere Briefe erhalten haben, wenn sie ein Opfer zu beklagen hatten. Oft etwa lagen der Post Augenzeugenberichte eines Mitsoldaten bei, oder etwa genauere Angaben über die Todesumstände. So glaubt Ada lange Zeit an einen Irrtum, in ihrem Herzen lebt ihr Sohn noch, sie sieht ihn oft unter jungen Leuten, oder plötzlich gar in seinem Zimmer auf der Bettkante sitzen. Ada verliert fast den Verstand und ihr Mann den Glauben an seine Ehe.

Grabmal des unbekannten Soldaten, Westminster Abbey, 1920Grabmal des unbekannten Soldaten, Westminster Abbey, 1920

Fazit: Drei Frauen, ein Krieg, das Leben danach.
Diese Schlacht an der Somme von 1916, in welcher die britisch-französische Grossoffensive gegen das Deutsche Reich antrat, die fand keinen Sieger, sie wurde schliesslich aufgegeben und forderte über eine Million Menschenleben. Die drei Frauenschicksale, welche uns Anna Hope schildert, gehen unter die Haut, zeigen die Auswirkungen eines Krieges, die Verletzlichkeit der Hinterbliebenen und den immensen Schaden, der über die Opfer hinaus noch lange seinen Preis hat. Hope erzählt aber wundervoll und so gibt es immer wieder Momente von einer unglaublichen Intensität und ja, auch Hoffnung, Schönheit und Glück in diesem Roman. Beeindruckend, dieses Debüt von Anna Hope.

Meine Wertung: 8/10

Anna Hope / Abgesang
Verlag: Rowohlt, Seiten: 416

Manuela Hofstätter

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Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
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