Anne Berest / Emilienne oder die Suche nach der perfekten Frau

by Manuela Hofstätter on 16. Dezember 2016

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Emilienne und Julie sind Freundinnen, schon lange, und dabei sind sie so unterschiedlich, wie es nur sein kann. Julie ist die bildhübsche Ehefrau, Supermutter und Karrierefrau in einer Person und dazu auch als Freundin recht patent. Julie, sie ist abenteuerlustig, flatterhaft, Fotografin von eher zweifelhaftem Ruf. Aber dann ist Emilienne wirklich richtig erstaunt, denn Julie geht es nicht gut, es geht ihr sogar so gar nicht gut, dass sie in eine Klinik eingewiesen wird. Alles, was so klar war, in der Rollenverteilung der Freundinnen wird nun durcheinandergewirbelt. Emillienne hat aber nebst ihrer Ratlosigkeit ein neues Projekt, sie will die perfekten Frauen ihrer Zeit porträtieren, Emilienne ist ja sozusagen das perfekte Gegenstück der perfekten Frau. Völlig unprofessionell verleibt sie sich sogar während ihrer Aufträge als Fotografin, landet lustvoll wie auch chaotisch und leidenschaftlich in Betten von Frauen und Männern gleichermassen und lebt einfach mal in den blauen Tag hinein. Aber aktuell ist Emilienne richtig tragisch verliebt in eine Frau, welche sich einfach nicht bei ihr meldet, ihr verflossener Geliebter ist ganz klar der Meinung, das Emillienne dieser grossen Liebe nachspüren soll. Julie ist in der Klinik und keine Hilfe, oder vielleicht doch? Denn mit den perfekten Frauenporträts, die sich in Emiliennes Kopf festgesetzt haben, möchte die Fotografin schon einmal ihr Können unter Beweis stellen und bei einem Wettbewerb gewinnen. So sucht die Fotografin die perfekten Frauen, trifft sie, versucht sie zu fotografieren um so den Mythos der perfekten Frau zu entschlüsseln.

Fazit: Moderner Feminismus – Anne Berest
Diese Autorin hat mich regelrecht erwischt, hier ist mir in der Tat moderner Feminismus begegnet. Wir sind ja heute genau am Punkt der perfekten Superfrauenidee angekommen, fatal ist es, was dieser Anspruch an Perfektionismus anstellt. Bei Anne Berest lesen wir von der Kehrseite der Medaille dieses zweifelhaften Ruhms der heutigen, perfekten Frau und freuen uns über die Demontage genau dieser, welche der Autorin so vortrefflich gelingt. Dieser Roman ist verwirrend, betörend und wirklich ein Gedankenfutter für die mutige Frau von heute. Was nur richten wir an mit diesen fatalen Vorstellungen in unseren Hirnwindungen?

Meine Wertung: 7/10

Anne Berest / Emilienne oder die Suche nach der perfekten Frau
Verlag: Knaus, Seiten: 240

Manuela Hofstätter

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Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
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