Annette Mingels / Was alles war

by Manuela Hofstätter on 16. August 2017

Post image for Annette Mingels / Was alles war

Susa liebt ihre Eltern inniglich, ihre Kindheit war schön, richtig schön, sie wusste schon als Kind, dass ihre Eltern sie adoptiert haben. Als sich Susas leibliche Mutter meldet mit dem Wunsch, ihre Tochter kennenlernen zu wollen, reagieren alle recht gelassen. Doch doch, findet Susa, sie wird diese Frau kennenlernen, nicht mehr und nicht weniger, ihre Liebe gilt ihren Eltern und das wird auch so bleiben. Viola ist ein ganz anderer Mensch als Susa das ist, eher irritiert bis genervt sieht Susa ihre biologische Mutter an und findet sie doch recht anstrengend. Einzig die Tatsache, dass Susa plötzlich von ihren Halbbrüdern erfährt, die löst mehr in ihr aus. Susa sehnt sich nach diesen Brüdern, das Kennenlernen ist hier intensiv, besonders zu einem der Halbbrüder. Susa muss ihre Gefühle ordnen, da ist ein Mann, sie mag ihn sehr, eine Verbindung entsteht, Geschwisterliebe, doch es ist komisch, seine Hand zu halten, er ist eben auch ein Fremder. Susa gründet auch eine eigene Familie, sie verleibt sich voll und ganz in Henryk und dessen beide Töchter, die dieser dann in ihre Ehe und Familie mitbringt und später bekommen Susa und Henryk noch ein eigenes Kind. Das ist ihr Baby, ein süsser Junge, Susa ist überwältigt vor Liebe, sie liebt auch ihre grossen Mädchen, liebt sie sie anders? Susa steckt mitten in der Hektik des Alltags und muss zudem den Tod ihres Vaters verarbeiten. Alles wird zu viel für Susa. In ihrem Kopf manifestiert sich die Idee, auch ihren biologischen Vater noch zu suchen, um ein Puzzleteilchen mehr in ihrem Leben dingfest machen zu können. Doch der Zeitpunkt ist ungünstiger denn je, die Kinder brauchen sie, als Forscherin und Meeresbiologin arbeitet sie an einem Projekt über Wattwürmer und müsste endlich vorankommen, Henryk steht auch vor einer beruflichen Veränderung, welche gar einen Ortswechsel für sie alle bedeuten würde.

Fazit: Als ob wir je vollständig wären. Eine Identitätssuche.
Mit dieser Aussage “Als ob wir je vollständig wären”, hat mich die Autorin tief berührt und auch den Kern ihres Romans bringt man so schön auf den Punkt. Es geht um unser Leben, Lieben und Wirken und wovon wir in unserem Dasein berührt werden. Einerseits haben da biologische Verwandtschaften augenscheinlich keine Bewandtnis und doch fordern sie dann auch ihre Rechte noch ein. Berührend zeigt die Autorin die Gefühlswelt ihrer Protagonisten und geht mit ihnen ein Stück auf ihrem Lebensweg. Was macht uns denn aus, wie treffen wir unsere Entscheidungen und warum vergessen wir so vieles und lassen Erinnerungen an unsere Toten verblassen?

Meine Wertung: 8/10

Annette Mingels / Was alles war
Verlag: Knaus, Seiten: 287

Manuela Hofstätter

Manuela Hofstätter

Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
Manuela Hofstätter

Letzte Artikel von Manuela Hofstätter (Alle anzeigen)

Share on Pinterest
Share with your friends










Submit

{ 0 comments… add one now }

Leave a Comment