Anthony McCarten / Ganz normale Helden

by Manuela Hofstätter on 7. Dezember 2012

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Renata und Jim Delpe haben zwei Söhne, einen haben sie durch Krebs verloren, der andere ist soeben ausgezogen. Spurlos verschwunden scheint Jeff zu sein und besonders die Mutter ist geplagt von Schuldgefühlen. Nicht nur der Fakt, dass sie die Post ihres achtzehnjährigen Sohnes geöffnet hat, belastet sie, nein viel tragischer noch steht sie ihrer Trauer gegenüber, sie kommt einfach nicht über den Tod ihres Kindes Donald hinweg und in diesem Zustand entfernt sie sich immer weiter von ihrem Mann und hat ihren lebenden Sohn vernachlässigt und vertrieben. Renata sucht verzweifelt nach Jeff, aber ihre Mittel sind bedenklich und was macht Jim, der web-profile.com.ua Vater ? Jim hat ein Haus auf dem Land gekauft, er ist sich sicher, dass sie alle als Familie einen Neuanfang brauchen. Neuanfang ohne Jeff, dies will auch dem Vater nicht so einfach in den Kopf gehen, er spürt seinem Sohn nach und dazu greift er zu Mitteln, die ihm bisher fremd waren. Der Vater weiss, dass der Sohn immer mit einem Online Game beschäftigt war, also beginnt er, genau dieses Spiel zu spielen und zu erlernen. Schon bald muss er der eigentlich so sachliche Typ erkennen, wie sehr diese virtuelle Welt auch ihn gefangen nehmen kann. Jim spielt und spielt und lässt sich das auch etwas kosten, er hat tatsächlich online seinen Sohn aufgestöbert, aber als ihm klar wird, dass dieser einem anderen Spieler erlegen zu sein scheint, welchen Jim als schlimmen und üblen Typen überhaupt wahrnimmt, da kriegt er eine richtige Wut im Bauch auf diese Figur! Jim hat nur ein Ziel, er will diese Figur im Spiel vernichten und seinen Sohn befreien. Aber was Jim online über seinen Sohn erfährt, verstört ihn doch und auch sein eigenes Verhalten irritiert ihn zutiefst. Die surreale Welt scheint einen anderen Jim ans Tageslicht zu zerren. So muss ein Vater die richtigen Entscheidungen treffen und kämpfen, fiktiv wie real. Kämpfen und um seinen Sohn, seine Frau und ihrer aller gemeinsames Leben. Aber dann greift eine andere Person, welche endlich durchblickt, auch ins sogenannte “Real Life” ein und dies zum vermeintlich genau richtigen Zeitpunkt.

Fazit: McCarten kann uns in egal welche Welten mitnehmen, wir erliegen seiner Geschichte auf Anhieb.
Den Leser in seinen Bann zu ziehen, das ist sicherlich die grosse Kunst dieses Autors. Er vermag uns eine noch so verrückte Geschichte erzählen, wir fühlen genau, was dahinter steckt, nämlich die Liebe der Menschen füreinander. Dieses Gespür für die Not im Herzen der Menschen, deren Bestreben ihren Weg zu finden, das lesen wir hier so hautnah und glaubwürdig wie selten.

Meine Wertung: 8/10

Anthony McCarten / Ganz normale Helden
Verlag: Diogenes, Seiten: 454

Manuela Hofstätter

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Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
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