Antoine Laurain / Der Hut des Präsidenten

by Manuela Hofstätter on 27. April 2016

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Daniel freut sich, bald kehren seine Tochter und seine Frau heim, er ist in letzter Zeit etwas unzufrieden mit sich und seinen Job. Spontan gönnt sich Daniel ein edles Essen in einer noblen Brasserie in seiner Stadt Paris, er will wieder zu sich finden, neu durchstarten, er bestellt köstlichen Wein und die Meeresfrüchteplatte Royal. Es treffen neue Gäste ein und gleich unmittelbar neben Daniel nimmt kein geringerer als François Mitterrand Platz. Um Daniel ist es geschehen, er kann kaum mehr essen, fühlt sich erhaben und staunt. Der Präsident geht, allerdings ohne seinen Hut. Daniel merkt dies später, als auch er gehen will und handelt, wie er dies nie zuvor getan hat. Er nimmt diesen Hut, setzt ihn auf den Kopf, verlässt die Brasserie voller Angst, aber ohne Zwischenfall, der Hut passt wie angegossen und Daniel lebt auf, er erzielt im Job Erfolge, nimmt charmant seine Familie in Empfang, dieser Hut, der tut ihm einfach gut. Aber dann verliert Daniel den Hut des Präsidenten, was ein schlimmes Unglück für ihn ist. Fanny steigt in Paris aus dem Zug und bemerkt erstens, dass es regnet und zweitens, das der offensichtlich liegen gebliebene Hut ihr gute Dienste erweist, zudem passt er hervorragend auf ihren Kopf, verleiht ihr eine Kühnheit, ja fast erotische Verwegenheit. Fanny schreibt es dem Hut zu, kann sie doch endlich einen Schlussstrich unter ihre Affäre zu einem verheirateten Mann ziehen und sich befreit wieder ins Leben stürzen. Den Hut allerdings, Diebesgut ja, in einer Art und Weise, lässt sie bewusst in einem Park liegen und beobachtet den kuriosen Kerl, welcher diesen dann an sich nimmt, nicht ohne zuerst an ihm zu schnuppern. Es ist Pierre Arslan, der weltberühmte Parfümeur, welcher seit Jahren keine Inspiration mehr hatte, keinen Duft mehr kreiert hat und in einer Depression feststeckt. Er legt den Hut zu Hause zum Trocknen auf den Ofen und erlebt kurz darauf eine wahre Vision, welche ihn fulminant wieder ins Geschäft und zu seiner Leidenschaft zurückkatapultieren wird. Wer nun glaubt, dies sei sie nun, die Geschichte dieses Hutes, der irrt gewaltig, es steckt noch viel mehr in diesem Roman.

Antoine Laurain / Der Hut des Präsidenten

Fazit: Ein Hut tut gut!
Kürzlich hat mich jemand mit dem Vorwurf konfrontiert, ich lese zu viele schwer verdauliche Bücher. Nun, ohne darauf etwas zu erwidern, hier das Gegenmittel: “Der Hut des Präsidenten”. Dieser Roman ist hinreissend, warmherzig und erfreut ungemein. Ein Hut und seine Reise, auf welcher er das Leben aller, die in kurz zu besitzen glauben, gehörig zum Besseren wendet. Aber ist es nur dieser Hut, oder ist es einfach eine nicht alltägliche Begegnung, Tat oder Geschichte, die in uns Menschen etwas bewegen kann und unser Leben und Handeln plötzlich anders, besser, wahrhaftiger werden lässt? Ein herrlicher Roman, haltet Ausschau nach solchen Hüten! Wer weiss!

Meine Wertung: 8/10

Antoine Laurain / Der Hut des Präsidenten
Verlag: Atlantik, Seiten: 239

Manuela Hofstätter

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Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
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