Arja Lobsiger / Jonas bleibt

by Manuela Hofstätter on 14. Februar 2018

Post image for Arja Lobsiger / Jonas bleibt

Sie sind eine Familie; Jonas, Alice und die Kinder Etna und Finn. Die Geschwister gehen meistens Hand in Hand, auch dann, wenn sie den kurzen Weg zur Metzgerei von Vaters Bruder Paul zurücklegen, um dort mit ihrer Cousine zu spielen. Es ist Winter, es ist eiskalt und sie ziehen los, Hand in Hand. Die gefrorenen Pfützen haben die Kinder alle schon zertrampelt auf ihrem Weg, das macht Spass, dieses Geräusch unter den Füssen zu hören und das Muster zu betrachten, wenn das Eis zersplittert ist. Der Fluss ist tabu für die Kinder, das wissen sie, doch der kleinere Finn ist davon überzeugt, auf dem zugefrorenen Fluss Fussabdrücke zu sehen und er möchte auch welche machen. Die Schwester ärgert sich, geht ein paar Schritte voraus, zurück auf den Weg, der Bruder wird ihr sicherlich sogleich folgen. Aber nein, Finn will es wagen und seit diesem Tag gibt es die Familie nicht mehr, weil es Finn nicht mehr gibt und Etna muss leben mit dem schrecklichen Geräusch ihres Schreiens beim Unglück und den Bildern in ihrem Kopf, vom Fluss, der ihren kleinen Bruder verschluckt hat, und mit einem Gefühl von Schuld in ihrem Herzen. Etna wird ein in sich gekehrtes Kind und zur ebensolchen stillen jungen Frau in ständig schwarzen Kleidern. Alice ist seit dem Unglück in einer Depression, sie verlässt Finns Zimmer kaum mehr, wenn, dann nur, um auf dem Balkon zu stehen und in den verwilderten Garten zu starren oder in eine Klinik zu gehen. Jonas versucht sich in Erinnerungen zu retten, doch diese sind teilweise auch schwierig. Jonas und sein Bruder Paul, die Metzgerei des Vaters, die Frauen im Leben der Brüder … Hanna, die Frau von Paul und die Liebe von Jonas in Zeiten nach dem grossen Verlust, diese Liebe, die hat Etna ihrem Vater nicht verziehen und auch in Alice ist noch mehr entzweigebrochen. Dann ist Alice einfach verschwunden, ein guter Tag bei Alice, dachte Jonas, als sie mit Rucksack und Wanderstiefeln losgezogen ist. Alice wird gesucht, aber erfolglos, das Haus, es ist Alices Elternhaus, ist auf ihre Tochter überschrieben und diese stellt nun dem Vater ein Ultimatum. Einige Tage hat Jonas noch im Haus, dann soll alles abgerissen werden und neu bebaut. Jonas lebt schliesslich im verwilderten Garten, er hört Vivaldi und nennt so auch einen Gefährten, welchen er im Garten erobert hat. Was ist mit Alice wirklich passiert? Sie ist auf einer Insel, Sandro hat ihr geholfen, sie hat einen Job in der Eisdiele von Sandros Tochter und sie hat einen Blick auf den Vulkan. Auch Alice stellt sich den Erinnerungen und sie weiss, es ist nur eine Frage der Zeit, bis der Vulkan ausbrechen wird.

Fazit: Kleine und grosse Vulkanausbrüche in einer Familie.
Jeder Mensch hat seine Geschichte, jede neue Familie ihre eigene, mit all den Vorgeschichten und dieses Geflecht aus Erlebtem gleicht zuweilen einem Vulkan. Auch in der Familie in Arja Lobsigers Romandebüt brodeln die Geschichten der Protagonisten, es geht um die Familien, das Leben, Lieben, die Verluste und ein grosses Unglück. Doch wie geht man um mit dem Unglück, wie verarbeitet man Verlust, wie wirken Erinnerungen? Lobsigers Protagonisten sind sorgfältig gezeichnet und geben uns einen feinen Einblick in ihr Gefühlsleben.

Meine Wertung: 6/10

Arja Lobsiger / Jonas bleibt
Verlag: Orte, Seiten: 127

Share on Pinterest
Share with your friends










Submit

{ 0 comments… add one now }

Leave a Comment