Arno Camenisch / Der letzte Schnee

by Manuela Hofstätter on 4. April 2018

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Der Paul und der Georg, zwei Männer aus den Bergen, zwei Männer, die ihren geliebten Schlepplift warten, bedienen, hegen und pflegen. Doch die Zeiten haben sich geändert, der Schnee macht sich rar und rarer, das Hoffen auf die weisse Pracht und die Gästeschar gehört zum täglichen Brot für die beiden Männer. Doch man lebt auch von den Erinnerungen, an die Skirennen zu Spitzenzeiten, als man zuvor die Lattli in Weihwasser getaucht hat, ja auch über den Paffen lässt sich etwas erzählen und über die Lehrer sowieso und die Zeit, als sie noch Schüler waren. Was ist aus diesem und jenem Schulgspändli geworden? Selten stirbt auch einer auf der Piste, davon blieben sie zum Glück verschont mit ihrem schönen Schlepper, einen Herzbaracca kostet einmal einem das Leben, aber da konnten sie nun wirklich nichts dafür. Gestorben wird in ihrer Region ohnehin nicht in der Wintersaison, wenn alles gefroren ist, kann man ja nichts begraben, nur selten hält sich ein Querulant nicht an diese Regel. Ab und zu muss der Schlepper auch gewartet werden, einmal fehlt ein Bügel, wo kann so ein Bügel nur hingegangen sein, haben sie sich etwa verzählt? Der Paul schreibt doch alles so genau in sein Schournal. Kopffriedli, sagt der Paul manchmal, wenn ihn etwas fest mitnimmt, manchmal muss einer von ihnen aufs Hüttli steigen, um den Schnee herunter zu schaufeln, der kann nämlich gefährlich werden, der Schnee auf dem Hüttlidach. Doch sie wechseln sich ab bei den anfallenden Arbeiten, das Schournal ist eine gute Hilfe, manchmal gönnen sie sich auch einen feinen Schluck, wenn sie ihn sich verdient haben. Die Claire ist eine liebe Ehefrau und Mutter, sogar Blumen lässt sie ihren Mann ins Hüttli mitbringen, er hatte Glück mit ihr, rechnete schon gar nicht mehr mit einer Frau in seinem Leben und dann wurden sie sogar noch Eltern. Der Filius, der bereitet schon ab und zu Kummer, aber eben, die Zeiten ändern sich, das taten sie schon immer, doch zum Glück läuft der Schlepper und haben der Paul und der Georg immer etwas zu tun.

Fazit: Weltliteratur mit Paul und Georg!
Eigentlich müsste ich fast schreiben, dass Arno Camenisch einen literarischen Heimatroman geschrieben hat, aber er feiert nicht nur seine Heimat, das Bündnerland, er feiert eine so ureigene Sprache und tut dies dazu so philosophisch, man ist einfach hin und weg, wenn man das liest. Weitaus besser ist es noch, Camenisch zu hören, wenn er liest, er ist ein Rockstar der Literatur! Das Hüttli in den Bündner Bergen, der Schlepper, der Paul und der Georg, sie erobern unsere Leserherzen im Sturm und erklären uns so nebenbei noch die ganze Welt, so einfach ist das und so wunderschön … Kopffriedli!

Meine Wertung: 9/10

Arno Camenisch / Der letzte Schnee
Verlag: Engeler, Seiten: 104

Manuela Hofstätter

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Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
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