Arno Camenisch / Herr Anselm

by Manuela Hofstätter on 12. September 2019

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Die Sommerferien sind vorbei. Im kleinen Dorf in den Bündner Bergen hat der Schulbetrieb wieder gestartet, allerdings mit einer unschönen Überraschung, die Gemeinde wird die Schule schliessen, sie soll ihr letztes Jahr bestehen. Herr Anselm ist der Schulabwart an der Schule, welche man liebevoll auch das “Schiff” nennt. 33 Jahre schon hat Herr Anselm Schüler und Schülerinnen, Lehrer und Lehrerinnen kommen und gehen sehen und ist die gute Seele auf dem “Schiff”. So wird er auch jetzt nicht einknicken, da haben die von der Gemeinde ja keine Ahnung, er wie auch die Lehrerschaft, sie werden sich zur Wehr setzen, sie werden für die Kinder kämpfen, einer muss das ja tun. Schliesslich erinnert er sich auch noch gut an den Gemeindepräsidenten als Schüler, ja, das war einer, der konnte was, lügen konnte der, aber sonst … Das Gremium trinkt so viel Kaffee wie noch nie, es ist ihm aufgefallen, natürlich, er kann es aber gut verstehen. Er wird wie immer einspringen, wenn eine Lehrperson krank ist, er hat schliesslich auch schon das Schultheater gerettet und sich ans Klavier gesetzt, als der Musiklehrer ausgefallen ist. Er kennt so viele Lehrer, da kommen Erinnerungen hoch, zum Beispiel an den Herrn Cahannes, dessen Notengebung ganz und gar unverständlich war, darauf dann doch einmal angesprochen, gab der Herr Cahannes eine äusserst präzise Auskunft und bald darauf seinen Abschied als Lehrer. Ja auch die Kinder sind sehr unterschiedlich, da gab es einmal diesen Buben, der immer häufiger krank war, der Doktor entlarvte den Filius als Simulanten, doch die Wahrheit war eine andere. Der arme Bub langweilte sich dermassen im Unterricht, da kann man schon krank werden. “So Kinder sind denk hungrig wie Löwen, die muss man füttern und über die Felder jagen lassen, nichts Schlimmeres für die, als wenn man sie versucht zu bremsen, dann riskiert man nämlich, dass sie explodieren!” (O-Ton Arno Camenisch: Herr Anselm). Ach ja, die Zeiten haben sich aber schon sehr geändert, mit diesen Gerätlis heute, das ist schon verrückt, wo er sich noch an den ersten Fernseher erinnert, wie soll man da heute noch mitkommen, die Seele mag doch gar nicht mehr nachkommen. Aber wenn er auch heute noch ab und zu eine Postkarte bekommt von einem Schüler, dann ist alles gut. Auch das erzählt Herr Anselm mit wundervollen, gelben Blumen in der Hand seiner Cara, sie hört ihm immer zu.

Fazit: Mit Courage im Herzen für die Zeit die war, die ist und diejenige, die kommen wird!
Arno Camenisch hat mich mit der Erzählung seines Herrn Anselm tief berührt, ich habe sofort an meine Schulzeit angeknüpft im Erinnern und auch an meiner Schule war zum Glück eine Seele von Schulabwart ein sicherer Wert für alle. Doch wie Camenisch hier schreibt, das ist einfach schlicht umwerfend schön und wahr und dieses Buch macht glücklich. In seiner unverwechselbaren Sprache und Melodie, die mit kostbaren Wörtern angereichert ist, welche vielleicht auch schon teilweise vom Verschwinden bedroht sind, blickt Camenisch in einem kleinen Bündner Dorf in der Zeit zurück. Doch nebst manchem Schmunzeln und Lachen, welches und dieses Buch entlockt, ist es auch geprägt von einer Tiefe, einer Zärtlichkeit und einem weisen Wissen über unsere heutige Zeit und ja, auch die zukünftige. Einfach lesen bitte!

Meine Wertung: 9/10

Arno Camenisch / Herr Anselm
Verlag: Engeler, Seiten: 100

Manuela Hofstätter

Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
Manuela Hofstätter

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