Arno Strobel / Offline

by Manuela Hofstätter on 28. November 2019

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Die Idee, eine Art digitale Entgiftung zu machen, ist die Geschäftsidee eines neuen Reiseanbieters. Für eine Testphase suchen sie nun erste Teilnehmer und haben ein abgelegenes Berghotel am Watzmann, welches sich im Baustopp befindet, buchen können. Kochen soll die Gruppe selber und es befinden sich vor Ort im Hotel nur zwei Hausmeister. Eine Chefin eines Unternehmens, das sich mit App-Programmierungen und Handys befasst, findet diese Idee, fünf Tage als Team ohne Handy, Netz oder andere Geräte gemeinsam zu verbringen, total genial. Auch ein selbstverliebter Geek, der im Finanzbereich mit viel Geld zu tun hat, will sich der Herausforderung stellen, so wie auch noch ein paar andere. Die Gruppe gibt Ihre Endgeräte ab, marschiert dann los, allein schon der Aufstieg stellt für manche unter Ihnen eine echte Leistung dar. Im Hotel angekommen, trifft die Gruppe auf einen älteren und einen jüngeren Hausmeister, die beide nicht gerade kommunikativ, nein, eher skurril anmutend wirken. Alle vermissen ihre Endgeräte, allein schon Fotografieren möchten doch die meisten. Während sich Sympathien und Antipathien in der Gruppe schon abzeichnen, ahnt noch niemand Böses. Doch dann fehlt am Morgen ein Mann, als sie ihn gemeinsam suchen, finden sie ihn in grauenvollem Zustand, er hat verkohlte Augen, Blut rinnt aus seinen Ohren, seine Zunge ist nicht mehr vorhanden und er kann sich nicht mehr bewegen. Alles wurde diesem Mann geraubt, er verstirbt bald, die Gruppe konnte nichts für ihn tun. Da sie im Hotel völlig eingeschneit sind, gibt es keine Hilfe, die geholt werden könnte, noch tritt jemand die Flucht an, es ist schlicht nicht möglich. Schockiert beschliessen sie zusammen, dass sie alle ihre Zimmer in der Nacht abschliessen werden und keinesfalls die Türen öffnen, was auch immer passieren möge. Doch am Morgen fehlt die junge Frau aus dem Arbeitsteam, in Gruppen suchen sie sie und finden sie in ähnlichem Zustand wie den Mann zuvor. Doch die Frau hat ihre Sinne und Körperfunktionen leicht anders verloren, offenbar übt der Täter, ein völlig Perverser muss also in der Gruppe sein, oder unter den beiden Hauswarten? Alle beginnen einander zu verdächtigen, gut gehütete Geheimnisse werden gelüftet, schüren das Misstrauen noch mehr, die Gruppe geht sogar soweit, einen vermeintlichen “Täter” einzusperren, welcher aber dann wieder auf freien Fuss kommt und voller Wut im grossen Hotelkomplex untertaucht. Die Situation ist unerträglich, alle fürchten alle und halten Wache bei der Pflege der Frau, die einzig ihren Kopf noch hin und her werfen kann und entsetzliche Schmerzlaute von sich gibt. Im Kopf der schrecklich zugerichteten findet ein Kampf statt, der Wahnsinn und ihre Vernunft treten erbittert gegeneinander an, aber bislang hat die Vernunft die Oberhand, denn die Frau weiss, wer ihr das angetan hat und will die Gruppe warnen, aber sie hat einzig die Bewegung ihres Kopfes zur Verfügung und kann diesen nur unter enormen Schmerzen bewegen. Findet sie einen Weg, einen Namen zu vermitteln, wird sie verstanden und wenn ja, von wem, nicht etwa vom Monster, dann wäre aller Kraftakt ohne Sinn.

Fazit: Hättest du Netz und dein Gerät, hättest du vielleicht eine Überlebenschance.
Freund oder Feind, wer ist der Psychopath? Eigentlich liefert Arno Strobel hier einen altbekannten Plot, aber er kann das eben und wie! So wird aus der grandiosen Geschäftsidee, sich einmal Offline-Tage zu gönnen, das nackte Grauen. Misstrauen und die verschiedenen Charaktere mit ihren Vorgeschichten lassen uns beim Lesen ständig falsche Schlüsse ziehen. Dieser Psychothriller ist Lesefutter pur und Arno Strobel ein Garant für grauenvolle Lesestunden.

Meine Wertung: 8/10

Arno Strobel / Offline
Du wolltest nicht erreichbar sein, jetzt sitzt du in der Falle
Verlag: Fischer, Seiten: 264

Manuela Hofstätter

Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
Manuela Hofstätter

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