Arnon Grünberg / Gnadenfrist

by Manuela Hofstätter on 4. Mai 2006

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Warnke ist mit seiner Frau und seinen beiden Kinder in Peru, in Lima, stationiert. Jean Baptist Warnke ist Diplomat, vom Scheitel bis zur Sohle, dieses angenehme Leben entspricht ihm sehr, obwohl, irgend etwas schlummert in Warnke. Manchmal überfällt ihn eine eigenartige Melancholie. Nach dem Botschafter ist Warnke der zweite Mann in Peru, er vertritt sein Land, die Niederlande mit Bravur, doch seiner Frau ist er oft zu bescheiden, sie mahnt ihn, sich besser ins Zeug zu legen, innovativer zu sein, den Erfolg zu jagen. Bei seinem täglichen Café trinken, begegnet er Malena, sie ist Studentin, jung und bezaubernd, kämpft um ihre Bildung und Freiheit. Dies rührt Warnke, er will Volksnah sein, das macht sich schliesslich gut in seinem Posten, er fühlt sich geschmeichelt durch ihre Bewunderung, fast väterliche Gefühle entbrennen in ihm. So fühlt er sich dann auch geehrt, als ihn Malena an ein Konzert einlädt, fest entschlossen kann er diesen Termin auch einhalten, er will nämlich Malena fördern, wie ein Mentor, er kann bestimmt viel für sie tun. Die Treffen im Café wurden führ ihn schon längst zur einzig wahren Freude im Leben, so ist er denn jetzt auch etwas nervös als einzig Fremder in dieser einfachen Turnhalle beim Konzert. Das Konzert ist zu Ende, da fordert ihn ein Mann auf ihm zu folgen, er führt ihn zum Chor und zu Malena, alle wissen Bescheid, dass er, Malenas Freund erscheint. Zuerst freut er sich, so gut aufgenommen zu werden, dies erklärt bestimmt auch Malenas Hand auf seinem Schenkel, obwohl, sie tut ihm gut diese Hand, sehr sogar und ihm gehen gar lüsterne Gedanken durch den Kopf. Schliesslich kommt es auch so weit, sie schlafen miteinander, Warnke lebt Dinge aus, die er immer unterdrücken musste. Zu Hause angekommen und völlig berauscht merkt Warnke, dass noch das Kondom an seinem Glied hängt, verstört und angstvoll vergräbt er es im Garten unter den Rosen. Es ist fast so als ob Warnke auch sein altes Leben begraben hätte, er liebt Malena und fühlt sich auch begehrt und wiedergeliebt von ihr. Warnke will sein altes Leben auflösen, diese Frau zu Hause, die manchmal Dinge hört, die Kinder möchte er dann zwar schon noch gerne sehen, er schmiedet Pläne. Doch alles kommt anders. Als er Malena das letzte Mal sieht, rät sie ihm, nicht an den Weihnachtsempfang der japanischen Botschaft zu gehen. Tatsächlich ist die Niederlande dann auch nicht vertreten und es wird ein Entführungsanschlag ausgeübt. Malena ist verschwunden, als die Entführer überwältigt werden, sieht er ihre Leiche im Fernsehen. Fotos tauchen auf, von ihm und Malena, der Botschafter setzt Warnke sofort ab, er verliert alles und lebt quasi auf der Strasse. Doch dann trifft er einen bestimmten Mann und Warnke nimmt eine letzte Berufung wahr.

Fazit
Komisch und dramatisch zugleich, muss man lesen! Ich las die Geschichte in einem Zug und war dann völlig fassungslos und fast ein wenig betrunken.

Meine Wertung: 8/10

Arnon Grünberg / Gnadenfrist
Verlag: Diogenes, Seiten: 154

Manuela Hofstätter

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Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
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