Arnon Grünberg / Mit Haut und Haaren

by Manuela Hofstätter on 28. April 2012

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Roland Oberstein tut so manches, mit so mancher Frau, er ist aber nur eines richtig, er ist Wissenschaftler. Frauen sind faszinierend und er trifft für jede den richtigen Ton, bloss zeitraubend sind sie eben auch diese Beziehungen und er will doch jede freie Minute in seine Forschung stecken. Eine Exfrau hat er auch schon und einen Sohn mit dieser, seinen Vaterpflichten kommt er in erster Linie mit seinem Geld nach, anfangen kann er mit dem Jungen nicht wirklich was. Als er nach Amerika geht, weil ihn eine richtig grosse und gute Uni haben will, kehrt er Europa ohne zu zögern den Rücken zu, mit seinem Sohn will er öfters eine Videokonferenz machen, alles doch gar kein Problem. Seine Freundin in Holland ist sauer, sie verkündet Roland, dass sie ihn betrogen hat und auch die Mutter seines Sohnes möchte, dass es mehr tut für seinen Sohn, ja gar nach Hause kommen soll für einen Teil des Jahres. Zum Glück hat Oberstein noch Lea, sie sticht heraus aus seinen Beziehungen, sie ist verheiratet, Mutter, versteht ihn, ist ebenfalls leidenschaftliche Wissenschaftlerin und sie ist irgendwie einzigartig, er geht auch mit ihr ins Bett, er kann Frauen so schlecht etwas abschlagen und bei ihr entwickelt er sogar so etwas wie echte Emotionen. Lea ist am Ende mit ihrem Ehelatein, plötzlich ist ihr Mann impotent und Medikamente helfen ihm nicht, aber ihr Mann erscheint ihr auch sonst so komisch, er ist Bürgermeister und denkt immer nur daran, wie er wirken muss, um für seine Wähler der richtige zu sein. Aber plötzlich hat Lea eine ganz üble Ahnung, was die Wahrheit über ihren Mann angeht. Roland Oberstein kommt nicht nur mit seinen Frauen an eine Grenze des Möglichen, es gibt plötzlich Gerüchte an der Uni. Weil er einen Schüler nicht besser einstufen will, bloss weil dessen Vater viel Geld an die Uni spendet, gerät seine Laufbahn in Gefahr und er wird plötzlich als Rassist dargestellt. Der Anfang vom Ende des Roland Obersteins ist eingeläutet, aber alle die denken, sie könnten ihn vernichten, die kennen ihn nicht richtig. Oberstein ist ein Genie, wenn auch ein verkanntes und er ist ein taktischer Mensch, er wird es allen zeigen… oder etwa doch nicht?

Fazit: Der neue Grünberg, bestürzend gut!
Dieser neue Grünberg ist bestürzend gut, ich mag diesen Autor ja ohnehin aber “mit Haut und Haaren” hat mich umgehauen und ich sagte mal zu meinem Mann “diese Story ist zum Kotzen gut” das klingt komisch, ich weiss, aber, wer dieses Buch lesen wird, weiss danach sicherlich, wie ich das meine. Grünberg seziert die menschliche Seele, die Lust und Unlust im Menschen und er hat das Talent Protagonisten zu zeichnen, die man nicht mehr vergisst!

Meine Wertung: 8/10

Arnon Grünberg / Mit Haut und Haaren
Verlag: Diogenes, Seiten: 680

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