Astrid Rosenfeld / Elsa ungeheuer

by Manuela Hofstätter on 3. März 2013

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In einem kleinen Dorf in der Oberpfalz wachsen zwei Brüder auf, ihre Mutter nimmt sich früh das Leben, sie war ohnehin gar nicht so, wie eine Mutter in einem kleinen Dorf sein sollte. Der Vater Randolph Brauer vermietet Zimmer, das Haus ist fast wie ein Hotel, nebst den Kindern leben da noch ein paar Tiere, eine alternde Haushälterin und ein Gast, der keiner mehr ist, weil er einfach geblieben ist und dafür ein bisschen aushilft, das Murmeltier. Die Haushälterin und das Murmeltier, die haben ihre liebe Not miteinander, aber dafür lieben die Kinder das Murmeltier über alles, jeden Abend schliesslich liefert es die Gutenachtgeschichten vor dem Einschlafen und was für welche. Kaum haben die Brüder also ihre Mutter verloren, da tritt ein neues weibliches Wesen in ihr Leben und wird für sie beide nie wieder aus diesem wegzudenken sein, aber daran denken die Jungs noch nicht, sie bewundern erstmals das exotische, ziemlich verrückte Mädchen Elsa, welches neu im Dorf ist, Elsa ist mutig, anders und frech, eigentlich ist Elsa eine Königin. Den älteren der Brüder nennt sie beim Namen, den jüngeren tauft sie neu und nennt ihn fortan nur Fetti. In der Tat ist Fetti auch eine dicke Kugel, eine Kugel, die immer dahin rollt, wo sich Elsa gerade aufhält. Fetti liebt Elsa abgöttisch, seine Liebe, erst kindisch und naiv, wächst mit den Jahren zu etwas ernst zu Nehmendem heran. Fetti weiss schliesslich von Elsa Dinge, die er nie wissen wollte und von welchen er ihr auch bei seinem Leben verspricht, diese niemals zu verraten. Doch dann völlig abrupt reist Elsa einfach ab, richtig weit, einfach auf einen neuen Kontinent, ausgerechnet mit Schweine-Willi, den fand sie doch angeblich richtig dumm. Die Brüder trauern, werden erwachsen und der ältere, Lorenz wird ein internationaler Star in der Kunstszene. Fetti, also eigentlich Karl, weiss genau, dass der kometenhafte Aufstieg seines Bruders nicht ganz mit rechten Dingen zustande gekommen ist. Aber auch Karl ist in den Fängen der zwei Frauen, welche die Geschicke seines Bruders inszenieren und wenn er der alten Dame und grossen reichen Kunstmäzenin vorlesen soll, graust es ihn innerlich vor ihrer Kälte und ihrer Gnadenlosigkeit. Beide Brüder suchen mit demselben Laster das Vergessen und Glücksgefühle, aber Karl gelingt der Ausbruch und er macht sich auf eine weite Reise. Die weite Reise, die lässt Karl wieder ganz klar zu Fetti werden, denn er reist zu Elsa auf die Rinderfarm, auf welcher sie lebt, als Frau vom Schweine-Willi.

Fazit: Dürfte allen Fans von Irving auch ungeheuer gefallen!
“Prinzen von Maine, Könige von England!” … Ach nein, dieser Roman hier ist nicht von Irving, es ist der zweite Roman von Astrid Rosenfeld, aber ich komme nicht davon ab, erwähnen zu müssen, dass sie mich an Irving erinnert. “Elsa ungeheuer” ist ein grandioser Roman, eine verrückte Geschichte, aber so wahrhaftig, so unvergesslich gut. Eine Geschichte über Kindheit, Liebe, Verrat und Verlust, übers Erwachsensein, eine Geschichte von Aufstieg und Fall und über die Verrücktheit des Lebens! Ich hoffe, Astrid Rosenfeld mag noch viel schreiben und ich möchte eigentlich gerne einen Satz aus “Elsa ungeheuer” zu ihr sagen: “Gute Nacht, du herrliches Kind!”

Meine Wertung: 9/10

Astrid Rosenfeld / Elsa ungeheuer
Verlag: Diogenes, Seiten: 276

Manuela Hofstätter

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Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
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