Ayana Mathis / Zwölf Leben

by Manuela Hofstätter on 5. November 2014

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Hattie und August sind ein Paar, die Glut ihrer anfänglichen Liebe hat gelitten, August wird langsam zum Spieler und Trinker, einzig die Nächte und die gegenseitige körperliche Begierde teilen sie ungebrochen miteinander durch alle Jahre hindurch. Es ist der Anfang des Zwanzigsten Jahrhunderts und im Zuge der Great Migration sind auch Hattie und August vom Süden in den Norden gezogen und ihre ersten Zwillingskinder tauften sie damals voller Hoffnung im Herzen auf die Namen Philadelphia und Jubilee. Aber die Zwillinge starben noch als Kleinkinder an Lungenentzündung. Hattie aber bekommt noch neun andere Kinder und ihr ganzes Leben dreht sich eigentlich immer nur um diese. Als Mutter wirkt sie sogar hart und emotionslos auf ihre Kinder, doch ihr Handeln ist immer dasjenige einer Mutter. Ja, einmal, als Hattie sich verliebt in Lawrence, da bricht sie beinahe aus mit ihrem kleinsten und jüngsten Baby Ruthie im Arm. Ruthie ist nämlich das Kind von Lawrence, doch Hattie stellt schnell fest, dass die Männer alle gleich sind, und so steht sie ihre Frau und Mutter an Augusts Seite weiterhin. Die Kinder werden grösser und das Schicksal ist oft so schwarz wie ihre Hautfarbe. Alle sind sie Suchende, verirren sich oft, trinken, hadern mit sich und der Welt und doch gibt es immer wieder einen kostbaren Silberstreifen am Horizont. Hattie und August sind gealtert, aber sie haben sich gefunden, fast könnte man meinen, sie dürften endlich im Alter noch ein bisschen Ruhe und Frieden haben in ihrem Leben, aber da stellt sich ihnen erneut eine Verantwortung in den Weg und Hattie tut, was getan werden muss und was sie ihr ganzes Leben lang schon immer getan hat.

Ayana Mathis / Zwölf Leben

Fazit: Ein Stück afroamerikanische Geschichte. Abgrundtief und schwarz.
Eine schwarze Grossfamilie mit allen Hoffnungen, Träumen und Abgründen, die das Leben für sie bereithält. Nach der Sklaverei des schwarzen Volkes in den Südstaaten birgt ein Leben im hoffnungsvollen Norden auch ihre Probleme. Diese neue Zeit, die wiedererlangte Freiheit und das extreme Leben, dies brodelt uns stimmungsvoll entgegen in Ayana Matthis Roman. Hattie, eine ganz besondere Mutterfigur in einer speziellen Zeit, ihre beiden Männer und ihre zahlreichen Kinder, sie alle zeigen sich uns offen, berührend und auch erschreckend zugleich. Dieses Buch hinterlässt ganz starke Szenen und Gefühle, welche man nicht wieder vergessen kann.

Meine Wertung: 8/10

Ayana Mathis / Zwölf Leben
Verlag: DTV, Seiten: 362

Manuela Hofstätter

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Habt keine Angst vor Büchern! Ungelesen sind sie ganz harmlos.
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1 Beatrix Petrikowski August 14, 2015 um 11:58

Ein Roman, der wohl eher eine Leserschaft in der Lebensmitte ansprechen dürfte. Ungewöhnlich war die Bezeichnung Neger für einen Schwarzen.

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