Barbara Lutz / Keinen Seufzer wert

by Manuela Hofstätter on 15. November 2018

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Das 19. Jahrhundert im Emmental, auf dem Schafberg bei Signau lebt in der Abgelegenheit Res Schlatter, ein frömmlerischer, misstrauischer Mann. Seit er seine Eltern verloren hat, ist Res noch geiziger und panischer geworden, er traut weder einem Geldinstitut noch seinen Betbrüdern und versteckt sein Geld an verschiedenen Orten auf seinem heruntergekommenen Hof. Wir schreiben das Jahr 1860, als der mausarme Jakob Wyssler, ein Schuhmacher ohne Arbeit, dafür mit Frau und drei Kindern, bei Schlatter um ein Logis bittet. Res Schlatter geht auf diese Anfrage ein, er denkt sich, der gesunde, junge Jakob werde sich schon als Tagelöhner bewähren und er, der Res Schlatter, nimmt gerne noch einen Zins ein. Als Wysslers später als vereinbart auf den Hof von Schlatter eintreffen, ist die Atmosphäre mehr als frostig, Verena bemerkt sofort, auf diesem Hof werden sie ein schweres Leben haben, aber sie will ihr Bestes geben, sie trägt auch schon wieder ein Kind unter der Brust, wie sollen sie alle nur satt werden? Jakob arbeitet so viel er kann, bald hat er auch einen Freundeskreis aufgebaut, allerdings besteht dieser aus nicht nur redlichen Gesellen. Alle hassen den Res Schlatter, er ist bekannt als Stündeler und Geizkragen. Verena, darf die Kühe melken für Res, doch er misstraut ihr und sitzt ihr dauernd bedrohlich in Nacken, die wenige Milch, die sie für ihre Arbeit bekommt, reicht gar nicht weit. Verena begehrt immer mehr auf gegen den Unmenschen Schlatter, ihr Jakob kann das ja nicht, der macht nur die Faust im Sack. Einzig die älteste Tochter der Wysslers setzt sich manchmal zu Res, sie lernt die Psalmen und Res hört ihr zu, korrigiert sie allenfalls, es bleibt die einzige Annäherung, die nicht eskaliert zwischen Schlatter Res und der Familie Wyssler. Der Zins, den der Res der armen Familie abverlangt ist Wucher, die Kinder, ihr Lärmen und Gelächter stören ihn, sein Hass wächst täglich. Res beschlagnahmt sogar noch die wenigen Dinge, welche die Familie besitzt, die Situation spitzt sich immer unheilvoller zu. So kann es nicht weitergehen und so geht es nicht weiter, es kommt zu einer Tragödie und zu einem Mord.

Fazit: Historischer Kriminalroman mit zeitloser Thematik.
Einen historischen Kriminalroman basierend auf einer wahren Begebenheit über die öffentliche Hinrichtung von vier Menschen um 1861 im Emmental hat die Autorin Barbara Lutz geschrieben. Tatsächlich werden wir mitgenommen ins 19. Jahrhundert und wir sehen Verena melken, wir fühlen das Unbehagen der Frau und den Hass des Res Schlatters, wir sehen die schmutzige Küche und noch vieles mehr. Barbara Lutz schreibt szenisch, in der passenden Sprache der Zeit ihres Romanes. Die Themen Hass, Armut, Neid und religiöser Fanatismus allerdings sind leider zeitlos und so liest sich dieser Roman auch in einer bleibenden Aktualität. Insbesondere die Sprachlosigkeit aller Protagonisten untereinander ist bedrückend und verheerend und auch hier denkt man, es ist immer noch so, wo man Gespräche auf Augenhöhe nicht finden kann, kommt es zur Katastrophe, immer noch und immer mehr.

Meine Wertung: 8/10

Barbara Lutz / Keinen Seufzer wert
Verlag: Limmat, Seiten: 240

 

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